Plädoyer für das deutsche Stadttheater
Wie soll die Zukunft des Theaters aussehen? Meine Antwort darauf ist: das Stadttheater bewahren – und weiterentwickeln! Es ist noch immer eine Utopie für mich: die Idee einer Versammlung verschiedenster Alters- und Berufsgruppen in ästhetischer Auseinandersetzung mit einer Sache und als Gesellschaft mit sich. Es geht darum, die Frage «wer bin ich, wer sind wir?» immer wieder neu zu stellen, in einem bewegenden, erschütternden, energetischen Austausch mit den Schauspielern auf der Bühne.
Theater und Demokratie wurden nicht zufällig zur selben Zeit im alten Athen erfunden, und Teil dieser Erfindung war das Theater für eine Stadt.
Das heißt nicht, dass ich gegen Projektförderung bin. Sie soll auch und verstärkt stattfinden. Ich finde es falsch, das gegeneinander auszuspielen und eine ideologische Diskussion zu führen. Allerdings bin ich gegen die Umwandlung von Stadttheatern in Produktionshäuser nach niederländischem Vorbild. Wenn ich nach Holland und Belgien blicke, sehe ich vor allem, wie viel Talent kaputtgegangen ist, wie viele Ideen verkümmert sind, weil die Strukturen fehlen, um Zuschauer an das Theater zu binden. Diese Bindung erfolgt immer über die Schauspieler, die Qualität ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 10
von Stephan Kimmig
Bisher standen Publikumsgespräche ja nicht unbedingt im Verdacht, zu den kontroversesten Genres des Bühnen-Business zu gehören. Zumindest nicht unter den beteiligten Schauspielern: Man gibt kollektiv Auskunft, wie man die schieren Textmassen bewältigt, welcher Inspirationsquellen man sich bedient oder womit man – im aufregendsten Fall – den Regisseur getriezt hat;...
Im ersten Spielzeitbuch zu Beginn seiner Intendanz 2010 in München ist ein Foto abgedruckt. Es zeigt Johan Simons, der die Maximilianstraße überquert. 45 Jahre früher hat er, Johan Simons, zum ersten Mal die Maximilianstraße überquert. 1965 war das. Johan war gerade mit dem Bus angekommen, stand auf der Maximilianstraße und schaute Richtung Kammerspiele.
Es gab...
Theater gibt es gar nicht, das Wort ist ein leerer Raum. Das Theater ist ein Ort, an welchem Menschen sich einfinden, um einer ritualisierten Handlung beizuwohnen. Eine Communitas sollte entstehen zwischen Publikum und Spielern, eine Gemeinschaft, die es nur im Theater geben kann und leider kaum je gibt heute. Da ich also an einem Ort arbeite, den es nicht gibt und...
