Reale Schicksale
Es ist ja ein Paradox: Rechtsbürgerliche Kreise in Zürich und namentlich die «Neue Zürcher Zeitung» führen eine Kampagne gegen das Schauspielhaus, es sei zu «woke». Zugleich sind es die «woken» Produktionen, die am besten laufen.
Dass das Shop-in-the-shop-Prinzip mit acht Hausregisseur:innen und gleich vielen Splitter-Ensembles aus Tanz und Schauspiel (noch) nicht aufgegangen ist, hat andere Gründe, ästhetischer und struktureller Natur – es hat sich noch kein gemeinsames Mindset eingestellt, es fehlt die Ensemble-Ausstrahlung, die En-suite-Program -mation ist für den Verkauf nicht förderlich.
Die Truppe, die am Schauspielhaus in allererster Linie für «Wokeness» steht, ist das junge Theater mit Regisseurin Suna Gürler. Insbesondere ein «diskriminierungskritisches Glossar» im Programmheft ihrer letzten Inszenierung «Bullestress» zum Kernthema Racial Profiling gab in der lokalen Presse zu Wallungen Anlass. Nicht aber beim jungen und auch nicht gar so jungen Publikum im Saal. Die Produktion in der Schiffbau-Box erreichte eine Auslastung von sagenhaften 98 Prozent.
Traumrolle Mansplainer
«Ich chan es Zündhölzli azünde» heißt nun Gürlers neue Arbeit mit dem Autor:innen-Duo Fatima ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Andreas Klaeui
BERLIN, KUNSTGEWERBEMUSEUM
bis 16.7., Retrotopia. Design for Socialist Spaces
Kooperatives Ausstellungsprojekt über die Rolle und den Einfluss von Design in den Ländern des ehemaligen Ostblocks und Ex-Jugoslawiens von den 1950er bis in die 1980er Jahre
BERLIN, WANNSEE CONTEMPORARY
bis 22.4., Yael Bartana | Rehearsal for Redemption
Das für Wannsee Contemporary...
Ist das nicht Frau Klemm? Wilhelmine Klemm, vermutlich die fernsehprominenteste Münsteranerin zurzeit – das ist jene etwas angeschrägte Staatsanwältin, die im WDR-«Tatort» aus der Universitäts- und Domstadt seit mittlerweile zwei Jahrzehnten Kripo-Fahnder Thiel und Gerichtsmediziner Börne mehr oder weniger wohlwollend begleitet und nebenbei gelegentlich auch die...
Er ist quasi der Täter der Herzen in der an Femiziden nicht armen Dramengeschichte: Georg Büchners Woyzeck. Wir lernen ihn als Opfer der (Klassen-)Gesellschaft kennen und, wenn auch widerwillig, verstehen. Er ist und bleibt in den meisten Inszenierungen die Identifikationsfigur. Seine Verlobte Marie, die er ermordet, bekommt gerade mal etwas Mitleid. Woyzeck – und...
