Ratten im Polit-Betrieb

Lukas Bärfuss «Die Probe (Der brave Simon Korach)»

Theater heute - Logo

Erfolg hat Folgen, gewollt oder nicht – sämtliche Komplikationen der Münchner Uraufführung schleppen auch die folgenden Versuche am jüngs­ten Stück des Schweizer Dramatikers als Last mit sich herum. Das ist kein Wunder, denn die Konstruktion des Textes erschwert jeden ernsthaft neuen Blick.

Die Nachspiele von Florian Fiedler im Ballhof des Hannoverschen Schauspiels und Bettina Bruinier in der Kammer-Box des Deutschen Theaters in Berlin arbeiten sich vor allem an den zentralen Polit-Figuren ab: am Kandi­daten Simon Korach und an der strippenziehenden Kanaille, die hier nicht Franz heißt, sondern Franzeck.

Der trat ja das ganze Desaster los, als er Peter, dem Sohn des braven Simon Korach, der gerade Bürgermeister werden will oder Landrat oder etwas in der Richtung, den Zweifel an der eigenen Vaterschaft einpflanzte; aus Neid, weil er selbst gern Sohn wäre (vom alten Korach) und Vater: mit Agnes, Peters Frau. Während in Berlin Gabor Biedermann genau den ide­alen Typ des schlanken, schmucken, herzeigbar fleckenfreien Funktions-Idioten und Spin-Doctors darstellt, mit dem sich die höheren Chargen der Politik gern als Helferlein umgeben, geht Matthias Buss in Hannover schon eher als der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2007
Rubrik: Chronik, Seite 45
von Michael Laages

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rau, schön, cool

Bevor Miles Davis noch einmal zur Trompete greifen darf, endet Alfred Anderschs Hörspielmontage «Der Tod des James Dean» mit markigen Worten: «Verstummen muss das Gequatsche von der Schönheit» – ein verkappter Imperativ der Beatgeneration, die sich noch ein letztes Mal vor ihrem Idol verbeugt: «Alles was er gesagt hat, war rauh. Einfach rauh.» 1959, als man rauh...

Ein Museumsstück von Mann

Es gibt in Zürich unter den Theatergängern die Masucci-Debatte. Die einen finden, dass Oliver Masucci immer aussieht wie nach einem Boxkampf oder Pornodreh, und dass diese Repräsentation von Männlichkeit beziehungsweise diese Art von Mannsein doch einfach ganz und gar uninteressant sei. Die andern  finden es unendlich erfrischend, dass da nach Jahren, ja nach...

Launen von Zufall und Fügung

Nur Robert Lepage kann sich so etwas ausdenken: Ein Stück über die menschliche Stimme, das sich zu einer Neun-Stunden-Aufführung über Leben und Welt auswächst – das längste seiner langen Bühnenepen und das ehrgeizigste. (Dass er demnächst an der Met den «Ring» inszeniert, scheint da nur folgerichtig.) Derzeit dauert «Lipsynch» allerdings erst vier Stunden plus zwei...