Die Kinder mögen es
Der «Räuber Hotzenplotz» ist immer noch die perfekte Kindergeschichte. Zwar verweisen gestohlene Kaffeemühlen, vertauschte Mützen und strafweises Kartoffelschälen heutzutage nur noch bei den Allerkleinsten auf die wirklichen Abgründe des Lebens.
Aber die Mischung des Identifikationspersonals und ihrer entsprechenden Prinzipien lässt auch Grundschulkindern nichts zu wünschen übrig: der Gesetzesbrecher (Hotzenplotz), die zu verteidigende Versorgungsinstanz (Großmutter), das schlaue Anführerkind (Kasperl) und der treuherzige Mitmacher (Seppl), die scheinbar unüberwindliche Erwachsenen-Infamie (Zauberer Zwackelbart), die Nutzlosigkeit staatlicher Hilfe (Dimpfelmoser), die skurrile Unberechenbarkeit heiratswilliger Nachbarinnen (Witwe Schlotterbeck) und natürlich das Wunderbare einer echten, hilfreichen Fee (Amaryllis), die aber erst befreit werden muss.
Ja, auch 45 Jahre nach dem Erst-Erscheinen des Buches von Otfried Preußler erfüllt der «Räuber Hotzenplotz» noch immer seine systemstabilisierende Funktion, im Dienste der Ordnung Schlauheit gegen Schlendrian zu mobilisieren. Die jüngste, überaus kostümfreudige Verfilmung des Stoffes von Gernot Roll mit Rufus Beck, Christiane ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Thanksgiving ist das wichtigste Fest im amerikanischen Jahreskreis. Zu Weihnachten gibt es bessere Geschäfte, und am 4. Juli wird das ganze Land feierlich und patriotisch, aber an Thanksgiving versammelt sich die ganze (restliche) Familie und tut so, als wären alle noch Pioniere und der Truthahn nicht aus dem Gefrierfach bei Wal-Mart, sondern in den Wäldern von...
In dem hübschen Paradiesgarten, den Andreas Kriegenburg auf der Bühne des Thalia Theaters hinter schweren Käfigwänden angelegt hat, geht es mächtig zur Sache. Unter blühenden japanischen Kirschbäumchen, die sich dekorativ von der blutroten Wand abheben, wickelt sich eine junge Geisha (Katharina Behrens) zu rauen Frauengesängen aus ihren Schärpen und löst ihr...
Man hat es nicht leicht als Kind von 68ern. Wie furchtbar es ist, im Trubel der Zeitläufte weitgehend ignoriert zu werden, musste sich irgendwann in Theaterstücken bemerkbar machen und kam spätestens dann zum Vorschein, als die heute Dreißigjährigen sich dem Phänomen nicht greifbarer Eltern widmeten – zum Beispiel Rebecca Kricheldorf mit der «Legende vom...
