Dreimal ist Bremer Recht!
Am 20. Mai 2003 unterschrieb ich einen Vertrag, der eine detaillierte Regelung des Theater-Etats von 2004 bis 2007 enthielt. Am 10. Dezember 2003 teilte mir der neue Kultursenator Hartmut Perschau telefonisch mit, dass dieser Vertrag nicht mehr gilt – ein halbes Jahr nach Unterschrift, ein halbes Jahr vor Wirksamwerden. Die Vertragsformel Unter Haushaltsvorbehalt ist der legitimatorische Hebel für den Vertragsbruch, den ich seit 1994 mit verschiedenen Senatoren zum wiederholten Mal erlebte.
In der Freien Hansestadt Bremen, die sich selber viel zugute hält auf ihre entwickelten demokratischen Gepflogenheiten und hanseatischen Traditionen im Umgang miteinander, sind die Verträge das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben wurden. Ich erfahre die reale Umkehr des Satzes dreimal ist Bremer Recht. Als fünfter Kultursenator, den ich seit 1994 in Bremen erlebte, verlängerte Hartmut Perschau die personelle Diskontinuität in diesem Amt. Konzepte und Entwicklungsprozesse können bei einem derart häufigen Ämterwechsel nicht aufkommen, zumal Perschau die Kultur als Appendix-Ressort mit sekundärer Bedeutung übernommen hatte, was schon die Funktionsbezeichnungen seines Briefkopfes deutlich ...
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Ein Mann kommt auf die Bühne, setzt sich hinter das bereitgestellte Piano, greift zur E-Gitarre und zupft ein paar perlende Moll-Akkorde. Ein anderer schleppt einen Eimer Farbe herbei, zückt die Malerrolle und streicht schüchterne Linien in Schwimmbadblau auf die Leinwand. Weitere Leute, hübsch exzentrisch gekleidet, verteilen sich im Raum und fangen zu tanzen an:...
Nur Robert Lepage kann sich so etwas ausdenken: Ein Stück über die menschliche Stimme, das sich zu einer Neun-Stunden-Aufführung über Leben und Welt auswächst – das längste seiner langen Bühnenepen und das ehrgeizigste. (Dass er demnächst an der Met den «Ring» inszeniert, scheint da nur folgerichtig.) Derzeit dauert «Lipsynch» allerdings erst vier Stunden plus zwei...
Das Leben als Ganzes – ein Thema für das Kabarett. Wer fühlt sich heute schon frei, heil und ganz? Stückwerke sind wir, Fragmente, bestenfalls noch offene Systeme. Martin Heckmanns wagt es, ein ganzes Leben zu zeigen – als Komödie, als dramatisierten Comic-Strip mit einem ewig scheiternden Helden, dem die Identitätskonstruktion so gut gelingt wie den meisten von...
