Rasender Stillstand

Zur Saisoneröffnung am Theater Bochum: Jan Klata inszeniert Dostojewskis «Verbrechen und Strafe» als fiebriges Bildertheater; Jan Gehler porträtiert die Eskapisten in Laura Naumanns «Manchmal hat die Liebe regiert und manchmal einfach niemand»

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Die Tat ist der Traum: Neun Schauspieler stehen an der Rampe mit Büchern in der Hand und lesen, nein: schreien, wüten, trampeln die Zentral-Episode von Dostojewskis Roman «Verbrechen und Strafe» aus ihren Körpern heraus, den «Traum vom Pferdchen und der Peitsche», deren Text derweil hinten auf der Leinwand abläuft.

Eine ge­schla­gene Viertelstunde lang steigert sich in Bochum mit brutaler Wucht die Erzählung des siebenjährigen Raskolnikow, der Zeuge wird, wie ein «kleines mageres fuchsbraunes Bauernpferdchen» von einer feisten Wirtshausmeute zu Tode geprügelt wird, aus reiner Lust am Quälen. Schließlich holen die Schauspieler ihre Peitschen heraus und schlagen auf ihre Bücher ein, die bald in Fetzen und Einzelteilen herumfliegen, vernichten in einer Art kannibalistischem Akt die Grundlage ihrer Performance, ein Exorzismus der Worte: Die Gewalt an sich zerstört ihre Vermittlerin, die Sprache, und bleibt als rohe Grundkonstante des Lebens zurück.

Ein Bild, das nachhaltig verstört. Zugleich erklärt die brutale Episode bei Dostojewski psychologisch, wie dem zutiefst getroffenen Kind Raskolnikow die Empathie verloren ging. Als Jana Schulz dann als erwachsener Raskolnikow in olivgrünem ...

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Theater heute November 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Dorothea Marcus

Vergriffen
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