Darmstadt: Gekrault und gestreichelt
Über «Wut», eine der jüngsten Sprach- und Gehirnorgien Elfriede Jelineks ist – auch an dieser Stelle – ausreichend berichtet worden. Wir können also umstandslos zur Aufführung übergehen, es ist die dritte; nach Stemanns Uraufführung an den Münchner Kammerspielen (s. Th 6/16) strich man in Hamburg das Post-Charlie-Hebdo-Ungetüm gnadenlos zusammen und kombinierte es dann mit Simon Stephens’ «Rage» (s.S. 54 in diesem Heft).
In Darmstadt nun, an den dortigen Kammerspielen, lassen sich der Regisseur Marcus Lobbes und die vier Spieler in einer knapp zweistündigen, angenehm gelungenen Version ganz auf den Text ein.
Lobbes, der sein eigener Bühnenbildner und Videomann ist, legt alles (sowohl auf Bild- als auch auf Ton- und Spielebene) darauf an, «Wut» sprachlich aufzufalten und aufzuspalten. Die Schauspieler sprechen den Text allein, zu zweit oder gemeinsam, die Sprache schichtend, sich ins Wort fallend, sie sagen die Sätze über-, mit- und gegeneinander. Mal verwenden sie ein Mikro, mal ist der Körper der Verstärker, sie sprechen mal auswendig und manchmal folgen sie dem Knopf im Ohr. In diesen unterschiedlichen Sprechweisen erscheint die Sprache sozusagen dreidimensional, bühnenfüllend.
D ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Louis XIV. hat Versailles gebaut. Das Ballett erfunden. Und den «Code Noir» niedergeschrieben, eine Definition der Beziehung zwischen weißem Chef und schwarzem Sklaven. 1715 starb der Sonnenkönig, während der Französischen Revolution wurde sein Grab geschändet, seine Werke aber leben weiter. Versailles ist bis heute ein touristischer Hotspot, das Ballett, naja, und...
Na gut: «Wir sind ja nur Halbbrüder», derselbe Vater, verschiedene Mütter; und da Manuel und Günther Harder biografisch auch noch sechs Jahre auseinander liegen, haben sie einerseits ein bisschen Glück gehabt, weil sie nie in der gleichen Theateraltersklasse konkurrieren mussten; aber womöglich auch ein bisschen Pech – denn immer mal wieder war und ist von...
Besonders alt wurde die DDR ja – aus guten Gründen – nicht. Und ihre vier Jahrzehnte überbordend spektakulär zu finden, wäre ein ziemlicher Euphemismus. In der Saison 89/90 allerdings – beim Endspiel – hat sich die kleine Diktatur tatsächlich noch mal ordentlich ins Zeug gelegt. Todesmutige Montagsdemonstrationen, der Mauerfall, Helmut Kohls vorweihnachtliche...
