Mit Teppichen über Gräben fliegen
Zwei große öffentlich subventionierte Theater vor Ort sind eine Chance – nicht um sich verbissen Konkurrenz im Ähnlichen zu machen, sondern um in der Stadt größtmögliche Vielfalt an Inhalt, Form und künstlerischer Weltsicht zu präsentieren. Diese sinnvolle, doch längst nicht immer praktizierte Arbeitsteilung klappt nun, trotz einigen Theaterdonners wegen wahlweise feudalen oder neoliberalen Führungsstils der jeweiligen Hausherren, zu Beginn dieser Spielzeit in München ganz gut.
Das Residenztheater unter Martin Kušej stellt sich mit Aplomb und politischem Problembewusstsein der Aufgabe zeitgemäßer Vergegenwärtigung des literarischen Kanons, und an den Kammerspielen kann sich Matthias Lilienthal dazu gratulieren, dass der erste Satz der Saison «Ich kann nicht gut Deutsch», ausgesprochen von der iranischen Schauspielerin Mahin Sadri zu Beginn der Premiere von Kamel Daouds «Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung», keine Proteste, sondern entspannte Aufmerksamkeit provoziert.
Mensch und Maschine
Aus der Traditionsklasse heraus punktete bereits eine Woche vorher Ulrich Rasche mit seinem effektvollen, aber keineswegs plumpen «Räuber»-Aufmarsch am Residenztheater. Für einen Hang zu ...
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Ein Mann trifft eine Frau. Trifft? Naja. Fischt sie aus dem Meer nach ihrem Suizidversuch oder «Burn-out im Wasser», wie sie es nennt. Er ist Deutscher, sie Türkin, beide urlauben im Mai am Kalami Beach auf Korfu. Und sie verlieben sich, natürlich, vor roten Felsen und wogenden Wellen. Doch dann ist sie, die sich unfruchtbar wähnte, plötzlich schwanger. Erzählt...
Ein kleiner großer Schauspieler. Ein Kraftkerl, kein Riese, kein Protz. Bullig und dabei doch behend. Ein Kantekopf, kein Stiernacken. Dennoch spürte man, dass er gern mit dem Kopf durch die Wand wollte. Ja, die Wand sicher gern auch mal mit Fleiß suchte, wenn sie sich nicht sogleich fand. Buschige Brauen, verwegen hoch gestruppte Igelhaare, mit den Jahren immer...
Von Wuppertal kann man lernen, was man in der Kulturpolitik alles falsch machen kann. Und der Stadt ist tatsächlich etwas Neues eingefallen. Mithilfe eines Gutachtens der Unternehmensberatung Actori hat man die erst seit 2014 amtierende Schauspielintendantin zur vorzeitigen Vertragsauflösung genötigt. Was als Neuanfang zu reduzierten Bedingungen geplant war, wird...
