Mit Teppichen über Gräben fliegen
Zwei große öffentlich subventionierte Theater vor Ort sind eine Chance – nicht um sich verbissen Konkurrenz im Ähnlichen zu machen, sondern um in der Stadt größtmögliche Vielfalt an Inhalt, Form und künstlerischer Weltsicht zu präsentieren. Diese sinnvolle, doch längst nicht immer praktizierte Arbeitsteilung klappt nun, trotz einigen Theaterdonners wegen wahlweise feudalen oder neoliberalen Führungsstils der jeweiligen Hausherren, zu Beginn dieser Spielzeit in München ganz gut.
Das Residenztheater unter Martin Kušej stellt sich mit Aplomb und politischem Problembewusstsein der Aufgabe zeitgemäßer Vergegenwärtigung des literarischen Kanons, und an den Kammerspielen kann sich Matthias Lilienthal dazu gratulieren, dass der erste Satz der Saison «Ich kann nicht gut Deutsch», ausgesprochen von der iranischen Schauspielerin Mahin Sadri zu Beginn der Premiere von Kamel Daouds «Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung», keine Proteste, sondern entspannte Aufmerksamkeit provoziert.
Mensch und Maschine
Aus der Traditionsklasse heraus punktete bereits eine Woche vorher Ulrich Rasche mit seinem effektvollen, aber keineswegs plumpen «Räuber»-Aufmarsch am Residenztheater. Für einen Hang zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz kann bekanntlich Berge versetzen. Zumindest psychische, wie es anno 2007 Royston Maldoom in den pubertierenden Seelen großstädtischer Hauptschüler gelang, indem er sie in der Treptower Arena zum Tanzen von Strawinskys «Sacre du Printemps» brachte. Ein seitdem weithin kopiertes Prinzip. Die potenziell heilende Kraft des Community Dance nutzte aber bereits in...
Über «Wut», eine der jüngsten Sprach- und Gehirnorgien Elfriede Jelineks ist – auch an dieser Stelle – ausreichend berichtet worden. Wir können also umstandslos zur Aufführung übergehen, es ist die dritte; nach Stemanns Uraufführung an den Münchner Kammerspielen (s. Th 6/16) strich man in Hamburg das Post-Charlie-Hebdo-Ungetüm gnadenlos zusammen und kombinierte es...
Ein kleiner großer Schauspieler. Ein Kraftkerl, kein Riese, kein Protz. Bullig und dabei doch behend. Ein Kantekopf, kein Stiernacken. Dennoch spürte man, dass er gern mit dem Kopf durch die Wand wollte. Ja, die Wand sicher gern auch mal mit Fleiß suchte, wenn sie sich nicht sogleich fand. Buschige Brauen, verwegen hoch gestruppte Igelhaare, mit den Jahren immer...
