Mit Teppichen über Gräben fliegen
Zwei große öffentlich subventionierte Theater vor Ort sind eine Chance – nicht um sich verbissen Konkurrenz im Ähnlichen zu machen, sondern um in der Stadt größtmögliche Vielfalt an Inhalt, Form und künstlerischer Weltsicht zu präsentieren. Diese sinnvolle, doch längst nicht immer praktizierte Arbeitsteilung klappt nun, trotz einigen Theaterdonners wegen wahlweise feudalen oder neoliberalen Führungsstils der jeweiligen Hausherren, zu Beginn dieser Spielzeit in München ganz gut.
Das Residenztheater unter Martin Kušej stellt sich mit Aplomb und politischem Problembewusstsein der Aufgabe zeitgemäßer Vergegenwärtigung des literarischen Kanons, und an den Kammerspielen kann sich Matthias Lilienthal dazu gratulieren, dass der erste Satz der Saison «Ich kann nicht gut Deutsch», ausgesprochen von der iranischen Schauspielerin Mahin Sadri zu Beginn der Premiere von Kamel Daouds «Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung», keine Proteste, sondern entspannte Aufmerksamkeit provoziert.
Mensch und Maschine
Aus der Traditionsklasse heraus punktete bereits eine Woche vorher Ulrich Rasche mit seinem effektvollen, aber keineswegs plumpen «Räuber»-Aufmarsch am Residenztheater. Für einen Hang zu ...
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And on the Thousandth Night» ist, wie das wenige Jahre zuvor entstandene Werk «Quizoola!», ein über wenige Regeln weitergegebenes Ritual von Forced Entertainment. Es erzeugt eine Überfülle von Geschichten, aber keinen Dialog, eine intensive Reaktion der Spieler aufeinander, aber kein Zusammenspiel im konventionellen Sinne. Das im Jahr 2000 zum ersten Mal...
Über «Wut», eine der jüngsten Sprach- und Gehirnorgien Elfriede Jelineks ist – auch an dieser Stelle – ausreichend berichtet worden. Wir können also umstandslos zur Aufführung übergehen, es ist die dritte; nach Stemanns Uraufführung an den Münchner Kammerspielen (s. Th 6/16) strich man in Hamburg das Post-Charlie-Hebdo-Ungetüm gnadenlos zusammen und kombinierte es...
Museumswärter singen eigentlich nicht. Aber in einem kleinen Privatmuseum für eine der berühmtesten Ehebrecherinnen der Literaturgeschichte passt die Begleitung durch unsterbliche Jazz- und Popsongs ganz gut zur Feier des Vergangenen. Geht es in der modernen Volksmusik von Louis Armstrong bis Britney Spears, mit der hier die Geschichte von Flauberts...
