Rätselhafte Paralyse

Opernwelt - Logo

Ich bin nicht souverän. Kann es nicht sein, obwohl die Freiräume wieder größer werden. Die Zeit arbeitet für uns, denkt man, beruhigt man sich. Ja, wir werden wieder Theater spielen. Der Spuk wird ein Ende haben. Aber souverän? NEIN. Ich schaffe das nicht, denn ich muss zugeben, dass ich verstörende Tendenzen in meiner Psyche entdecken musste, auf die ich nicht vorbereitet war.

Eine Zeit lang behalf auch ich mir mit diesen Sätzen von der «Corona-Krise als Chance» und entwickelte Konzepte, um das alles irgendwie kreativ zu nutzen.

Dann wurde mir stetig bewusster, dass man meine Lebensader angegriffen hatte, meinen Beruf, meine Weltanschauung, meine Kommunikation mit der Welt, den Austausch mit den Menschen, den Rezipientinnen und Rezipienten unserer Kunst. Meine Souveränität war angegriffen. Aber nicht das Virus attackierte mich, sondern die, die es verwalteten.

Gut, wir waren anfangs alle verwirrt und unsicher. Schwierig wurde es – zumindest für mich als Theatermacher –, als diese alerten Klugscheißer auftauchten, die empfahlen, die Kunst doch einfach den neuen Gegebenheiten anzupassen, das habe sie in Krisen doch immer getan. So einfach ist es aber nicht. Schon gar nicht, wenn ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 48
von Martin Kušej

Weitere Beiträge
Auf Pans Spuren

Was das Horn für die deutsche Romantik, war die Flöte für die französische Musik des frühen 20. Jahrhunderts. Ihre Klänge erinnern an die Hirtenflöte des Rokoko, evozieren aber auch die Töne des antiken Pan wie orientalische Parfüms. Wenn sich die Arabesken des Instruments und das gesungene Wort vermählen, entsteht eine Überlagerung voll herber Poesie – eine...

Personalien, Meldungen September/Oktober 2020

JUBILARE

Wenige haben den Diskurs über Oper und Musiktheater heute stärker geprägt als er. Mit Adorno, Heidegger und Derrida im Hinterkopf, begriff Klaus Zehelein künstlerisches Handeln stets als reflektierte Auseinandersetzung mit der Gegenwart des Vergangenen und der Geschichtlichkeit des Gegenwärtigen. Angefangen hat er in den 1960er-Jahren als junger...

Vornehmes Pathos

Zu Beginn zeichnen die Streicher ein unschuldiges Bibelidyll. Alessandro Stradella legt in der einleitenden Sinfonia seiner frühbarocken Vertonung des «Salome»-Stoffes gleichsam eine falsche Fährte. Schließlich steht bei ihm zunächst ja nicht – wie gut zwei Jahrhunderte später bei Richard Strauss – die im Markus-Evangelium namenlose Tochter der Herodias und deren...