Rätselhafte Paralyse

Opernwelt - Logo

Ich bin nicht souverän. Kann es nicht sein, obwohl die Freiräume wieder größer werden. Die Zeit arbeitet für uns, denkt man, beruhigt man sich. Ja, wir werden wieder Theater spielen. Der Spuk wird ein Ende haben. Aber souverän? NEIN. Ich schaffe das nicht, denn ich muss zugeben, dass ich verstörende Tendenzen in meiner Psyche entdecken musste, auf die ich nicht vorbereitet war.

Eine Zeit lang behalf auch ich mir mit diesen Sätzen von der «Corona-Krise als Chance» und entwickelte Konzepte, um das alles irgendwie kreativ zu nutzen.

Dann wurde mir stetig bewusster, dass man meine Lebensader angegriffen hatte, meinen Beruf, meine Weltanschauung, meine Kommunikation mit der Welt, den Austausch mit den Menschen, den Rezipientinnen und Rezipienten unserer Kunst. Meine Souveränität war angegriffen. Aber nicht das Virus attackierte mich, sondern die, die es verwalteten.

Gut, wir waren anfangs alle verwirrt und unsicher. Schwierig wurde es – zumindest für mich als Theatermacher –, als diese alerten Klugscheißer auftauchten, die empfahlen, die Kunst doch einfach den neuen Gegebenheiten anzupassen, das habe sie in Krisen doch immer getan. So einfach ist es aber nicht. Schon gar nicht, wenn ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 48
von Martin Kušej

Weitere Beiträge
Zukunft gestalten

Gänzlich unvorbereitet traf uns Corona, und Einschränkungen von zuvor nicht vorstellbarem Ausmaß prägten den weiteren Verlauf der Spielzeit. Krisen dieser Art kannten wir natürlich – aus Fernsehberichten, denn Pandemien treffen ja grundsätzlich andere Regionen. Politik und Wissenschaft entwickelten Szenarien für das Gesundheitswesen, für Schulen und Kitas, den...

TV-Klassiktipps September/Oktober 2020

alpha

Wagner: Der Ring des Nibelungen
Als Alternativprogramm zu den Bayreuther Festspielen wartete ARD-alpha mit einem Highlight der Operngeschichte auf: BR-KLASSIK und die Bayreuther Festspiele präsentierten im August im Rahmen einer großen «Ring-Nacht» die legendäre Inszenierung von Patrice Chéreau mit Pierre Boulez am Pult. Die Ankündigung erfolgte kurzfristig...

Wünsch Dir was

Ein Interruptus, den sich Puccini anders vorgestellt hat. Statt Tosca das Messer zücken zu lassen, um Scarpias Fast-Vergewaltigung zu beenden, schneit Freddy mit einem Song auf den Lippen herein. Und das auch noch aus einem anderen Stück, der Muntermacher stammt aus «My Fair Lady». Ein paarmal passiert so etwas an den beiden Abenden. Eben noch umschmeichelt Ortrud...