Rätselhafte Paralyse
Ich bin nicht souverän. Kann es nicht sein, obwohl die Freiräume wieder größer werden. Die Zeit arbeitet für uns, denkt man, beruhigt man sich. Ja, wir werden wieder Theater spielen. Der Spuk wird ein Ende haben. Aber souverän? NEIN. Ich schaffe das nicht, denn ich muss zugeben, dass ich verstörende Tendenzen in meiner Psyche entdecken musste, auf die ich nicht vorbereitet war.
Eine Zeit lang behalf auch ich mir mit diesen Sätzen von der «Corona-Krise als Chance» und entwickelte Konzepte, um das alles irgendwie kreativ zu nutzen.
Dann wurde mir stetig bewusster, dass man meine Lebensader angegriffen hatte, meinen Beruf, meine Weltanschauung, meine Kommunikation mit der Welt, den Austausch mit den Menschen, den Rezipientinnen und Rezipienten unserer Kunst. Meine Souveränität war angegriffen. Aber nicht das Virus attackierte mich, sondern die, die es verwalteten.
Gut, wir waren anfangs alle verwirrt und unsicher. Schwierig wurde es – zumindest für mich als Theatermacher –, als diese alerten Klugscheißer auftauchten, die empfahlen, die Kunst doch einfach den neuen Gegebenheiten anzupassen, das habe sie in Krisen doch immer getan. So einfach ist es aber nicht. Schon gar nicht, wenn ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 48
von Martin Kušej
Seit es ihn gibt, ist der Wagner-Gesang in der Krise. Warum, versuchte im April 2017 ein mit Wissenschaftlern und Praktikern besetztes Symposium in Wien ästhetisch, historisch, soziologisch und stimmtechnisch einzukreisen – nun sind die Vorträge und Gespräche als Buch erschienen. Wagners Verschmelzung von Wort- und Tonsprache – er selbst spricht in «Oper und Drama»...
Ein Interruptus, den sich Puccini anders vorgestellt hat. Statt Tosca das Messer zücken zu lassen, um Scarpias Fast-Vergewaltigung zu beenden, schneit Freddy mit einem Song auf den Lippen herein. Und das auch noch aus einem anderen Stück, der Muntermacher stammt aus «My Fair Lady». Ein paarmal passiert so etwas an den beiden Abenden. Eben noch umschmeichelt Ortrud...
Michail Glinka war also Antisemit. Und deshalb darf die Berliner U-Bahn-Station «Mohrenstraße» nicht nach der Straße umbenannt werden, in der das Haus liegt, in dem der russische Komponist 1857 starb.
Mit Antisemitismus, Rassismus, Kolonialismus in der Operngeschichte ist es freilich eine vertrackte Sache. In Berlin hält die U-Bahn auch am «Richard-Wagner-Platz»....
