Radikal jung
Man darf davon ausgehen, dass Aaron Arens weiß, wovon er spricht: Der Filmregisseur, geb. 1988, ist Spross einer Künstlerfamilie über mehrere Generation, sein Großvater Peter Arens spielte an den Münchner Kammerspielen und am Hamburger Schauspielhaus, bevor er 1963 ans Zürcher Schauspielhaus ging, seine Eltern sind bildende Künstler, sein Bruder Elias langjähriger Schauspieler im Ensemble des Deutschen Theaters.
Die Künstlerfamilie, um die sein erster Kinofilm «Sonnenplätze» rotiert, hat er aber klugerweise im Literaturmilieu angesiedelt, in dem Sichtbarwerden mindestens so schwierig ist wie im Kino und Theater (wo Arens einen großen Teil seines Casts rekrutiert hat).
Sam, Samuela, die Jungautorin, die gerade ihren ersten Roman zuende geschrieben hat, fliegt bei ihrem Freund raus. Bei der Mutter, ihrerseits Verlegerin, und ihrem deutlich jüngeren Lover (Jeremy Mockridge) hält sie es auch nicht aus. Mit ihrem jüngeren Bruder (Jeremias Meyer), für den die Mutter eine Pianistenkarriere anstrebt, flieht sie ins Familienhaus nach Lan -zarote. Dort treffen sie unerwartet auf ihren Vater, den Schriftsteller, der genau ein, allerdings höchst erfolgreiches, Buch verfasst hat und jetzt in ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Barbara Burckhardt
Die Aussichten sind nicht die besten. Man kann sogar sagen: rundherum ziemlich katastrophal. Die Zukunft als Verheißung hat ausgedient, und die ausgerufene Zeitenwende ist vor allem, wie der Soziologe Hartmut Rosa konstatiert, «ein Abwehrkampf auf einer abschüssigen Bahn nach unten» – Zeit also, die Zukunft auf der Bühne noch einmal zu fokussieren und wenn nicht...
Dies ist meine erste Fahrt auf einem richtigen Motorrad. Ich sitze hinter Thomas, einem selbständigen Heizungsinstallateur aus Bitterfeld, auf seiner Honda, und mir wird etwas mulmig, als er auf der Landstraße zwischen Wolfen und Raguhn kurz auf 90 km/h beschleunigt und mir der Fahrtwind den nicht sehr gut sitzenden Leih-Helm nach hinten schiebt. Mit der einen Hand...
Wir leben. Wir leben. Hauptsache, wir leben, und viel mehr ist es auch nicht als leben nach Verlassen der heiligen Heimat. Keiner schaut gnädig herab auf unseren Zug, aber auf uns herabschauen tun sie gern. Wir ohen, von keinem Gericht des Volkes verurteilt, von allen verurteilt dort und hier. Und hier sitzen wir jetzt herum, Heilige, außer Dienst gestellt. Worauf...
