Queer zu allen Konventionen
So richtig schön schauerlich blutrot leuchtet der Papstpalast. La Cour d'honneur, der Empfangshof in der Papstburg, ist immer noch das Herz des Festivals von Avignon, seit vor siebzig Jahren Jeanne Moreau, Gérard Philipe und Jean Vilar hier den «Prinzen von Homburg» aus dem Pariser Stadttheaterstaub an die frische Luft holten. Jeanne Moreau ist übrigens gleich nebenan in der Maison Jean Vilar eine Ausstellung gewidmet (bis Mitte April 2019): Von den Stars ihrer Generation war sie nicht nur die Unabhängigste, sondern blieb zeitlebens Avignon auch am treuesten verbunden.
2011 trat sie zuletzt hier auf, mit dem Musiker Etienne Daho, und es ist eine Lieblingsgeschichte meines Taxifahrers, wie er sie nach einem Schlussapplaus im Papstpalast gleich nach Barcelona fahren durfte zum nächsten Auftritt.
Unser Bedürfnis nach Kultur lässt sich nicht sättigen, «notre besoin de culture est impossible à rassasier», sagt Festivaldirektor Olivier Py. Jenseits schöner Worte hat er mit über 95 Prozent Auslastung eine erfreuliche Bilanz aufzuweisen, von 113.000 angebotenen Karten für 47 Produktionen wurden 108.000 verkauft, fast 50.000 weitere für Gratis-Aufführungen abgesetzt. Im Juli ist Avignon ...
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Theater heute November 2018
Rubrik: International, Seite 48
von Andreas Klaeui
Endlich mal keine düstere Dystopie zum weiteren Untergang des Abendlandes, sondern eine Zukunftsvision, die nicht heller und erwartungsfroher strahlen könnte: Die Menschheit, wie sie Lukas Bärfuss zumindest am Anfang seines neuen Stücks vorstellt, lebt nach dem Prinzip von «Hingabe, Wohlwollen und Freundschaft», hat Kriege und allen Streit hinter sich gelassen,...
Der verrückte Ignaz» – so unterschrieb Ignaz Kirchner seine Postkarten, die er ohne konkreten Anlass oft an mich sandte. Es waren poetische Zurufe mit dem Bild eines Dichters meist und mit einer pointierten Weisheit, die Ignaz verkündet wissen wollte. Immer wieder mit Sätzen von Dichtern, die er gerade für sich entdeckt und ergründet hatte, für die er mit seinen...
Blut ist eine hartnäckige Flüssigkeit. Es klebt an Körpern und Kleidern, macht zuverlässig ein schlechtes Gewissen und will, einmal vergossen, einfach nicht aus der Welt verschwinden. Es wird weitergetragen, von Generation zu Generation: Blut ist dicker als Wasser, und seine Verwandten kann man sich nun mal nicht aussuchen.
Das gilt auch für Orest, den letzten...
