Queen Lear
Ein Meisterregisseur, der charismatisch und zugleich originell ist wie Jürgen Gosch, wird über seinen Tod hinaus Schule machen und für die künftige Theaterpraxis eine Reihe brauchbarer Blaupausen hinterlassen; das ist nicht weiter erstaunlich.
Für ihren Kölner «König Lear» hat Karin Beier sich nicht nur der Mitwirkung seines Bühnenbildners Johannes Schütz versichert; sie übernimmt auch, spiegelverkehrt, eine attraktive Besetzungsidee: Ließ Gosch seinen «Macbeth» einst, Hexen inklusive, von sieben Männern spielen, stehen bei Beier nun sechs Frauen auf der Bühne, um – meist in Doppel- und Dreifachfunktionen – den «Lear» (in der Übersetzung von Rainer Iwersen) zu geben.
Die Sache hat allerdings einen Haken: Frauenrollen von Männern spielen zu lassen, entspricht – von Shakespeare bis Genet – einer uralten Theatertradition. Dreht man den Spieß um und lässt in einem Stück, das wie kein anderes kanonisches Werk von Fug und Unfug des Patriarchats kündet, die Männer von Frauen spielen, so ist das kühn, aber auch verwirrend.
In welchem Maß, zeigt eine Szene exemplarisch. Barbara Nüsse eignet sich die Lear-Rolle in staunenswerter Weise an; anfangs in Anzug, Krawatte, Trenchcoat, wird sie ...
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