Queen Lear

Karin Beiers Sicht auf «König Lear» in Köln

Theater heute - Logo

Ein Meisterregisseur, der charismatisch und zugleich originell ist wie Jürgen Gosch, wird über seinen Tod hinaus Schule machen und für die künftige Theaterpraxis eine Reihe brauch­barer Blaupausen hinterlassen; das ist nicht weiter erstaunlich.

Für ihren Kölner «König Lear» hat Karin Beier sich nicht nur der Mitwirkung seines Bühnenbildners Johannes Schütz versichert; sie übernimmt auch, spiegelverkehrt, eine attraktive Besetzungsidee: Ließ Gosch seinen «Macbeth» einst, Hexen inklusive, von sieben Männern spielen, stehen bei Beier nun sechs Frauen auf der Bühne, um – meist in Doppel- und Dreifachfunktionen – den «Lear» (in der Übersetzung von Rainer Iwersen) zu geben. 

Die Sache hat allerdings einen Haken: Frauenrollen von Männern spielen zu lassen, entspricht – von Shakespeare bis Genet – einer uralten Theatertradition. Dreht man den Spieß um und lässt in einem Stück, das wie kein anderes kanonisches Werk von Fug und Unfug des Patriarchats kündet, die Männer von Frauen spielen, so ist das kühn, aber auch verwirrend.

 

In welchem Maß, zeigt eine Szene exemplarisch. Barbara Nüsse eignet sich die Lear-Rolle in staunenswerter Weise an; anfangs in Anzug, Krawatte, Trenchcoat, wird sie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Das könnte Sie auch interessieren:
Für Abonnenten: Karin Beiers erstes Jahr in Köln


Theater heute November 2009
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Martin Krumbholz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Neue Stücke

Warum immer nur bärtige Kerle mit starkem Nahost-Akzent verdächtigen? Im Theater ist schließlich alles möglich. Die Schrifstellerin Juli Zeh hat deshalb «Der Kaktus» geschrieben, ein Stück, in dem der Titelheld in einem Schwanheimer Blumenfachhandel gestellt wird. Bettina Bruinier inszeniert am Münchner Volkstheater – ein einsamer Polizistenspaß inmitten von lauter...

Ein Dolchstoss ins Herz der Provinz

Sie heißen Robert, Christoph, Matthias, Steffen oder Enrico. Im normalen Leben sitzen sie hinterm Schreibtisch im Amt und bearbeiten Akten oder schrauben in der Werkstatt Autos zusammen. Am Wochenende aber nennen sie sich Börti, Chrille, Matze, Pansen oder Roco. Dann tragen sie schwarze Klamotten, ziehen gemeinsam im Pulk in Halle zum alten Kurt-Wabbel-Stadion,...

Letzter Aufstand vor der Wahl

Dermaßen auf den Premierenabend hin konzipiert war wohl schon lange keine große Produktion mehr, nicht einmal unter den auf schnell aufflammende Empörung zielenden Pfeilen aus dem Köcher von Volker Lösch.  


36 Stunden vor Öffnung der Bundestagswahl­lokale wirkte sein «Nachtasyl Stuttgart von Maxim Gorki und 33 Stuttgarter Bürgern» wie ein letztes Aufbäumen gegen...