Letzter Aufstand vor der Wahl
Dermaßen auf den Premierenabend hin konzipiert war wohl schon lange keine große Produktion mehr, nicht einmal unter den auf schnell aufflammende Empörung zielenden Pfeilen aus dem Köcher von Volker Lösch.
36 Stunden vor Öffnung der Bundestagswahllokale wirkte sein «Nachtasyl Stuttgart von Maxim Gorki und 33 Stuttgarter Bürgern» wie ein letztes Aufbäumen gegen eine neoliberale Wende.
Entsprechend wenig hält sich der Abend mit Uneindeutigkeiten auf – auch dank des Bühnenbilds von Cary Gayler, einem die gesamte Bühne ausfüllenden Wahlplakat mit Merkel-Porträt und dem Slogan «Der Aufschwung kommt» in «Bild»-Typographie. Auf Höhe der Augen durchschneidet eine schmale Öffnung das Plakat – ein Balken über Merkels Gesicht, aber auch Zeichen dafür, wie eng die Spielräume geworden sind.
Anfangs kauert das elfköpfige Ensemble nebeneinander in diesem Querschlitz und donnert die Fabel vom Mann, der an ein Land der Gerechten glaubte und, als ein Gelehrter ihm dessen Nichtexistenz nachwies, erst den Gelehrten erschlug und sich danach erhängte. Eine Warnung vor einem Volksaufstand gegen Verkünder «notwendiger» sozialer Grausamkeiten? Nur kurz. Denn umgehend verliert die versammelte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zierlicher ist es, das neue Logo, mit dem Thalia-Intendant Joachim Lux die Litfaßsäulen Hamburgs schmücken ließ. Zierlicher, strenger und doch merkwürdig vertraut. Aus dem gemütlichen Thalia-Tempel Ulrich Khuons, über dem der Morgenstern aufging, ist mit denselben Stilmitteln ein Strichmännchen geworden, das jederzeit losmarschieren könnte: Kontinuität, Neubeginn...
Ein Meisterregisseur, der charismatisch und zugleich originell ist wie Jürgen Gosch, wird über seinen Tod hinaus Schule machen und für die künftige Theaterpraxis eine Reihe brauchbarer Blaupausen hinterlassen; das ist nicht weiter erstaunlich. Für ihren Kölner «König Lear» hat Karin Beier sich nicht nur der Mitwirkung seines Bühnenbildners Johannes Schütz...
Der Himmel setzte ein Zeichen. Kleists Dramen handeln ohnehin von einer höheren Ordnung, die menschliche Vernunft dumm aussehen lässt. Da mochte der Big Bang wohl passen. Just in dem Moment, da Dorfrichter Adam überführt wird und das Weite sucht, knallte ein Gewitter über dem Dach des Salzlagers der Kokerei Zollverein. Das wars aber auch schon mit den himmlischen...
