Promiske Künstlerschaft

Film: Zum 70. Geburtstag: Neue Fassbinder- Dokumentarfilme von Annekatrin Hendel und Christian Braad Thomsen

Er war schon ein saucooler Hund. So cool, dass er sich Sachen traute, die sonst keiner wagte: Zur Autorenfilm-Kompilation «Deutschland im Herbst» (1978) steuerte Rainer Werner Fassbinder einfach einen Auszug aus seinem Leben bei. Man sieht einen dunklen Münchner Wohnungsflur, den nackten Regisseur samt Freund im Streit, beim Frühstück mit Mama ist die Flugzeugentführung von Moga­dischu Tischgespräch, grunzend, lapidar.

Auch wenn er hier um der Demokratie willen gegen den hart durchgreifenden Staat argumentiert, hat er einen anderen Weg gewählt als den «bewaffneten Kampf»: den der offenen, unmittelbaren, vor keiner Schamgrenze zurückschreckenden Kunst. Vielleicht deshalb hat Volker Schlöndorff sich auch bereit erklärt, für Annekatrin Hendels «Fassbinder»-Dokumentation etwas zu tun, was, wie er sagt, Fassbinder selbst niemals getan hätte, nämlich über einen anderen Regisseur zu sprechen als sich selbst. 

 

Hendels Film und Christian Braad Thomsens «Fassbinder – Liebe ohne zu fordern» haben eins gemeinsam: den fremden Blick. Der Däne Thom­sen, dessen Film im Februar auf der Berlinale lief, thematisiert ihn gleich zu Beginn seiner ungewöhnlich subjektiven Annäherung an Rainer Werner ...

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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Eva Behrendt

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