Ich fühle, also bin ich

Filmstart am 25.06: Am Umgang mit Hunden zeigt sich die «Menschlichkeit»: Kornél Mundruczos Kinofilm «Underdog» reflektiert die ungarische Gesellschaft

Unheimlich wirkt Budapest in diesen ersten Filmbildern. Die Kamera folgt einem jungen Mädchen auf seinem Fahrrad durch die menschenleeren Straßen, vorbei an einem Auto mit offenen Türen; die Warnleuchten blinken. Plötzlich biegt in einer ebenso großartigen wie beängstigenden Massenchoreografie eine gewaltige Hundemeute um die Ecke und hetzt hinter dem Mädchen her. Ob sie es verfolgt oder ihm folgt, bleibt offen.

 

Mit «Underdog» hat der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó gerade seinen sechsten Film in die Kinos gebracht, eine Parabel über den Aufstand einer gequälten Spezies gegen ihre (un-) menschlichen Unterdrücker. «White God», wie der Film im Original heißt, zitiert nicht nur im Titel J.M. Coetzees verstörenden Post-Apartheids-Roman «Schande», den Mundruczó 2012 in drastischen Bildern auf das Theater und die politische Situation in Ungarn übertragen hatte. Er entwickelt auch dessen zentrales Hunde-Motiv weiter: Am Umgang mit ihnen, den Abhängigsten und Ohnmächtigsten einer von Rassismus und Gewalt geprägten Gesellschaft, lässt sich der Status quo der «Humanität» am deutlichsten ablesen. Ausgezeichnet mit dem «Prix Un Certain Regard» in Cannes 2014 kommt der originelle ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2015
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Anja Quickert

Weitere Beiträge
Hochprozentig

An irgendeinem Tag im Jahr 1983 findet der Schauspieler Michael Degen nach einer Vorstellung in der Garderobe des Theaters im liechtensteinischen Vaduz einen Zettel ohne Unterschrift. Man erwarte ihn im Foyer. In einer dunklen Ecke entdeckt er dort eine Gestalt und erkennt in ihr Oskar Werner, «den ich als mein Vorbild bezeichnet hätte – wäre ich unbescheidener...

Wahn mit Wucht

Egal, wie tief sich eine Aufführung in den Wahnsinn hineinarbeitet, am Ende bleibt bei «Macbeth» doch das Gefühl, dass man den Abgrund, in dem das Stück und das Ehepaar gleichen Namens versinken, verfehlt hat. «Macbeth» gilt als eher einfaches Shakespeare-Drama, vor allem wegen der einspännigen Handlung, trotzdem bleibt da etwas, was das Stück am Ende immer tiefer,...

Bonn: Schwankende Gestalten

Zwei Seelen wohnen, ach, in seiner Brust. Eine gespaltene Persönlichkeit war Faust ja schon immer. Daraus lässt sich ein Regie-Konzept machen. In Zeiten ökonomischer Beklemmung, und unerklärlicherweise befindet sich auch im wohlständi­gen Bonn das Theater in einem finanziellen Engpass, ist radikale Personenreduzierung, die nach Vermehrung aussieht, ein raffinierter...