Dekonstruktion eines Supermachos
Es ist eine der am seltensten gespielten Tragödien von Sophokles, und eine seiner erstaunlichsten: «Die Trachinierinnen», die Frauen (eigentlich Mädchen) von Trachis. Der Luzerner Altsprachler Kurt Steinmann, Spezialist für lebensnahe Klassiker-Übertragungen (vgl. das Porträt in TH 6/2021), hat sie für eine Zürcher Inszenierung von Jossi Wieler neu übersetzt, diese hat der Basler Altphilologe Anton Bierl gesehen und war so begeistert, dass er aufgrund der neuen Fassung ein Buch zur Tragödie publiziert hat.
Und zwar eines, das sich in Text und Ton durchaus nicht nur an Gräzist:innen richtet. Man schlägt es auf, will vielleicht ein paar Seiten lesen, dann klappt man es mit roten Ohren wieder zu und reibt sich die Augen, wie verblüffend radikal Sophokles sich hier darstellt.
Im vorderen Teil steht Steinmanns Neuübersetzung: in Versen, die hören lassen, dass sie von weither kommen, aber keine Verständnisschwellen errichten. «Vor Zeiten schon kam bei den Menschen auf der Spruch, dass man von keines Menschen Leben wissen kann, bevor er starb, ob es gesegnet für ihn war, ob schlimm. Ich aber weiß bestimmt, schon ehe ich zum Hades schreite, dass meines misslich ist und schwer», klagt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2026
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Andreas Klaeui
AACHEN, DAS DA THEATER
6. Netenjakob, Der Boss
R. Maren Dupont
AACHEN, THEATER
13. Cremer nach Brüder Grimm, Tischlein deck dich!
R. Daniel Cremer
20. Frisch, Biedermann und die Brandstifter
R. Lily Kuhlmann
ANNABERG-BUCHHOLZ, ERZGEBIRGISCHES THEATER
21. Wolf, Die Weihnachtsgans Auguste
R. Jan Holtappels
ALTENBURG/GERA, THEATER
20. Gombrowicz, Yvonne, die...
Das Frankfurter Künstler:innenhaus Mousonturm riecht nach gedünstetem Gemüse. Im Foyer wird geschnippelt und gespült, das Theaterrestaurant hat sich in eine Großküche verwandelt, mit dampfenden Töpfen und zischenden Pfannen. Der Mousonturm im Gründerzeitviertel Bornheim, vor genau 100 Jahren errichtet als Seifenfabrik und seit 1988 ein Produktionshaus für...
Mit Intendanzstarts ist das immer so eine Sache. Die mediale Aufmerksamkeit wird vermutlich nie mehr so selbstverständlich vorhanden sein wie bei der ersten Produktion, das erzeugt enormen Druck. Oft haben die neuen künstlerischen Leitungskräfte das Gefühl, sich die eigene Latte gleich mal so hoch legen zu müssen, dass sie mit späteren Arbeiten nie wieder an diesen...
