Politik der Gefühle
Zu Beginn eine Szene, die an die US-Serie «True Detective» erinnert: Taschenlampen erhellen den dunklen Bühnenraum, geben den Blick frei auf eine unheimlich drapierte Frauenleiche. Eindeutig ein Ritualmord: ausgeweidet wie ein Tier, mit einem Hirschgeweih auf dem Kopf und Runenzeichen am nackten Körper. «Fesseln, Stiche, Folter, nirgends Blut», stellen die beiden Ermittler fest: «Es wird, da bin ich sicher, noch Schlimmeres geschehn.»
Seltsam nur, dass sich Forensiker und Ermittler auf Lateinisch unterhalten (mit deutschen Übertiteln).
Aber schließlich befinden wir uns auch nicht in Lousiana, sondern im Teutoburger Wald. Heinrich von Kleists düsteres Germanen-Drama «Die Hermannsschlacht» (1808) handelt vom historischen Kampf der Römer gegen die deutschen Stammesfürsten; zur Entstehungszeit war das Stück nur unschwer als Reaktion des Autors auf die Niederlage Preußens gegen Napoleon zu dechiffrieren: Mit den Römern waren die Franzosen gemeint, die von Hermann angeführten germanischen Stämme bezeichneten Preußen und Österreich.
Nach etlichen Übernahmen aus dem Münchner Residenztheater gibt Martin Kušej damit seinen Einstand als Regisseur am Burgtheater. Eine überraschende Wahl, ...
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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Karin Cerny
Eine Performance von
Nicoleta Esinencu, Antosea Darca und Elena Anmeghichean, Catalina Bucos, Doina-Romanta Dochitan, Nora Dorogan, Ciprian Marinescu, Kira Semionov, Elena Sîrbu, Doriana Talmazan, Artiom Zavadovsky
Unter Anrufung der Geister unserer Mütter und Großmütter befehlen wir die Verdammung der Monogamie
ALLE
Ging das Mädchen seines Wegs
traf die Monogamie...
Das nennt man vorausblickende Spielplangestaltung: Just an jenem 10. Oktober, an dem die Akademie in Stockholm bekannt gab, dass der Literaturnobelpreis 2019 an Peter Handke geht, hatte in Klagenfurt dessen Drama «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten» Premiere. Das stumme Stück besteht aus unzähligen Mikrodramen – oder eher Nanodramen – und ist ein...
Man kann es kommen sehen. Dass in dieser Ballettstunde nicht alles mit richtigen Dingen zugeht, ist eigentlich schon auf den ersten Blick klar. Schließlich steht die Ballettlehrerin Beatrice «Trixie» Cordua mit ihren achtzig Jahren nackt auf der Bühne. Wie selbstverständlich fordert sie ihre Schülerinnen dazu auf, die Ballettstangen auf die Bühne zu stellen, um...
