Paare auf dem Prüfstand
Simone und Erik sind ein modernes Paar. Die Protagonisten aus Marius von Mayenburgs Komödie «Egal» haben zwei Kinder und gute Jobs – und trotzdem kriegen sie das alles irgendwie hin. «Wir sind halt die Avantgarde!», sagt Erik. Doch das ist bei genauerer Betrachtung einigermaßen übertrieben. Die Wahrheit ist, dass Kinder und Karriere auch in dieser Beziehung nur deshalb zusammengehen, weil einer von beiden zurücksteckt. In diesem Fall ist das Erik, der als Verlagslektor und Übersetzer – Spezialgebiet: niederländische Gegenwartsliteratur – arbeitet.
Seit die Kinder da sind, reißt er jede Deadline. Simone ist in der Autoindustrie – Spezialgebiet: Bremssysteme für italienische Sportwagen – beschäftigt, verdient deutlich mehr als er, ist dafür aber selten zu Hause. Avantgarde? Nun ja. «Gesellschaftlich sind wir die Vorreiter», sagt Erik. Darauf Simone: «Nur, dass uns keiner nachreitet.» Wenn das Stück beginnt, ist Simone gerade von einer Dienstreise aus Modena zurückgekommen. Sie hat ein Geschenk mitgebracht – die Form lässt auf eine Flasche schließen –, aber damit beginnen schon die Probleme. Erik fragt sich laut, was wohl in dem Päckchen sei; sie ist davon genervt («Meinst du ...
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Theater heute April 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Wolfgang Kralicek
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Auch, wenn es der Titel erst mal nicht vermuten lässt: In «Das Licht», Tom Tykwers Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale, lauert de facto die Apokalypse – und zwar direkt vor der Büro-Tür: Kein Tag, an dem Lars Eidinger als High Performer einer Werbeagentur, der seine Kampagnen gern mit den Abendbrottisch-O-Tönen seiner Fridays-for-Future-Tochter...
Inmitten des politischen Überbietungswettbewerbs um Grenzschließungen und Abschiebungen wird hierüber kaum noch gesprochen: die großen Herausforderungen für Migrant:innen in der Ankunftsgesellschaft. Daher kommt die Uraufführung von Thomas Deprycks Text «Unter euch. Je promène ma mélancolie parmi vous» am Theater und Orchester Heidelberg zur richtigen Stunde. Im...
