Paare auf dem Prüfstand
Simone und Erik sind ein modernes Paar. Die Protagonisten aus Marius von Mayenburgs Komödie «Egal» haben zwei Kinder und gute Jobs – und trotzdem kriegen sie das alles irgendwie hin. «Wir sind halt die Avantgarde!», sagt Erik. Doch das ist bei genauerer Betrachtung einigermaßen übertrieben. Die Wahrheit ist, dass Kinder und Karriere auch in dieser Beziehung nur deshalb zusammengehen, weil einer von beiden zurücksteckt. In diesem Fall ist das Erik, der als Verlagslektor und Übersetzer – Spezialgebiet: niederländische Gegenwartsliteratur – arbeitet.
Seit die Kinder da sind, reißt er jede Deadline. Simone ist in der Autoindustrie – Spezialgebiet: Bremssysteme für italienische Sportwagen – beschäftigt, verdient deutlich mehr als er, ist dafür aber selten zu Hause. Avantgarde? Nun ja. «Gesellschaftlich sind wir die Vorreiter», sagt Erik. Darauf Simone: «Nur, dass uns keiner nachreitet.» Wenn das Stück beginnt, ist Simone gerade von einer Dienstreise aus Modena zurückgekommen. Sie hat ein Geschenk mitgebracht – die Form lässt auf eine Flasche schließen –, aber damit beginnen schon die Probleme. Erik fragt sich laut, was wohl in dem Päckchen sei; sie ist davon genervt («Meinst du ...
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Theater heute April 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Wolfgang Kralicek
Ein irrationaler Amoklauf aus der Mitte der Gesellschaft heraus: «Graf Öderland», das Frisch als sein Lieblingsstück bezeichnet hat, vielleicht weil er darin dramaturgisch so frei von Zwängen ist wie in kaum einem anderen, ist zugleich sein unzugänglichster Bühnentext. Ein Staatsanwalt kann keinen Sinn mehr erkennen in dem, was er tut. Er bricht aus, lehnt sich...
Im oberen Stock des Gebäudes der Malzfabrik in Berlin-Tempelhof ist es dunkel, nur an den Seiten der schwarzen Rollos blitzt goldenes Abendlicht herein. Ein heißer Sommertag hat dem Raum unterm Dach ordentlich eingeheizt. Vorhänge aus Vlies-Gewebe, Spiegelfolie und Laser-Gaze teilen ihn in Flure und Kammern. Videoprojektionen, etwa von stark vergrößerten...
BERLIN, GEMÄLDEGALERIE
bis 22.6., Von Odessa nach Berlin Europäische Malerei des 16. bis 19. Jahrhunderts
Umfassende Sonderausstellung mit 60 Gemälden aus dem Museum für Westliche und Östliche Kunst in Odessa. Die Werke wurden vor dem Krieg in Sicherheit gebracht und treten in Berlin in Dialog mit Gemälden der Berliner Sammlungen.
BERLIN, GROPIUS BAU
ab 11.4., Yoko...
