Phantomschmerz BRD
Ja, warum regt sie sich eigentlich so auf? Die nette Lotte aus Remscheid hat offenbar schon ein paar Likörchen intus und hadert sehr aufgekratzt mit sich und ihrem freud- und anschlusslosen kleinen Marokko-Urlaub. Nun sind elf langweilige Tage in Agadir sicher kein reines Vergnügen, aber Weltuntergänge sehen trotzdem anders aus.
Botho Strauß’ monologintensives Stationendrama «Groß und klein» hat zehn Szenen-Haltestellen, und jede ist eine Zeitreise rückwärts in die späten Siebziger, als der schöne Stillstand der alten Bundesrepublik die Empfindsamkeit der Seelen auf neue Höchststände getrieben und so manchen Bauchnabel zum Zentralgestirn des Universums empor romantisiert hat. Man nannte das damals Innerlichkeit. Wer das Stück heute wieder auf die Bühne bringt, muss sich unweigerlich entscheiden, wie ernst er das Elend der zwischenmenschlichen Kälte, an dem sich die gute Lotte einen Gemüts-gefrierschock nach dem anderen holt, wirklich nehmen will. Und wie ernst man sich danach selbst noch nehmen kann.
Regisseurin Barbara Frey hat sich für eine tollkühne Doppelstrategie entschieden: Sie nimmt zusammen mit Nina Hoss Lottes Leiden sehr ernst, die Menschen, an denen sie leidet, jedoch ...
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So hat die Schauspielerin Blandine Ebinger Erika Rabau genannt, und so heißt ein Dokumentarfilm von Samson Vincent über die legendäre Pressefotografin. Das TT 08 zeigt eine Auswahl ihrer Bilder aus drei Jahrzehnten: Schauspieler, Regisseure, Autoren – immer mit Blitz.
Die Urszene? Vielleicht diese (schwarz-weiß): ein kleines Mädchen auf einem Schulhof, Hamburg, späte 40er Jahre. Zöpfe wahrscheinlich, ein klares, norddeutsches Gesicht, blaue Augen, breite Wangenknochen. Die Nase blutet. Sie hat sich geprügelt, und ist doch eigentlich ein liebes Mädchen, geprügelt um eine Rolle, die erste ihres Lebens: Hauptvögelchen in «Hüang und...
Im letzten Bild von «Onkel Wanja», Jürgen Goschs Tschechow-Inszenierung am Deutschen Theater, sitzt Ulrich Matthes’ ausgemergelter Wanja zerstört auf der Lehmbank. Das Licht ist schon ziemlich tief gerutscht im mit Erde bestrichenen Bühnenkasten von Johannes Schütz und wirft lange Schatten, als ginge der Sonne nach einem anstrengenden Tag die Puste aus. Gerade ist...
