Im Gänsemarsch zur Kunst
Ein imposantes Empfangskommando hat Thomas Ostermeier für seinen Britplay-Doppelabend «Die Stadt/Der Schnitt» zusammengetrommelt. Zuerst schleust er sein Publikum im Gänsemarsch durch schwarze Gänge, die an die Sicherheitsabsperrungen am Flughafen erinnern. Dann stellt er es zwischen vier Screens des hochdotierten Videokünstlers Julian Rosefeldt, auf denen einsame Menschen durch leere Verwaltungsflure, monochrome Labore und endlose Eislandschaften wandeln.
Eine Tänzerin, eingesperrt in einen Ikosaeder, performt zwischen den Zuschauern das Locked-in-Syndrom, und der Musikperformer Alex Nowitz jongliert auf einem Podest geräuschvoll mit elektromagnetischen Schwingungen.
Während ein Kunstereignis ins andere greift, stellt sich die Frage: wozu? Um das Publikum geheimnistuerisch darauf einzustimmen, dass, wie die Dramaturgie steil behauptet, «der paranoide Reflex auf die Wirklichkeit zum emotionalen Grundton unseres Alltags» geworden ist? Weil in Jan Pappelbaums pompösem Raumkonzept, das die gesamte Bühnenfläche der Schaubühne beansprucht, noch Platz war? Oder weil die beiden Wellmadeplays, die das geteilte Publikum auf zwei verschiedenen Bühnen in Folge sieht, einfach noch zwei, drei ...
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David Hohl ist einer von den Guten – jedenfalls hat er das immer geglaubt. Einer von den besonders Guten sogar, die ihr Leben aus Überzeugung in den Dienst einer gerechten Sache stellen, geht er doch 1990, gerade mal Mitte 20, als Angestellter der Schweizer Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe DEH nach Ruanda. Ein bisschen Abenteuerlust mag...
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Liebe Leserin, lieber Leser, die freundliche Anfrage, eine Gegenkritik zu den Besprechungen über «Die Stadt und Der Schnitt» zu verfassen, hat mich gefreut. Ein solcher Text kann allerdings nur von jemandem geschrieben werden, der die Kritiken auch gelesen hat. Tatsächlich habe ich dies nicht – direkt nach Premieren lese ich nie Kritiken, sondern warte damit ein...
