Performance: Auf eigene Gefahr

Sandra Hüller verzichtet in ihrer Solo-Performance «Face me» auf den Schutz der Worte

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Nichts ist langweiliger als das, was man kann. Gegen derartige Ernüchterung hilft ab und an eine selbstverordnete Irritation, wie es für Schauspieler durchaus der Verzicht auf Sprache sein kann. Eine entschlossene Einzelkämpferin wie Sandra Hüller wagt sich auch schon mal in ungespurtes Terrain, begleitet nur von einer künstlerischen Komplizin, die noch einmal fünf Jahre jünger ist als sie selbst, die niederländische Regisseurin Caitlin van der Maas.

Gemeinsam und frei vom Schutz der Institution Stadttheater haben sie die Solo-Performance «Face me» produziert.

Schon der Austragungsort ist eine Art Limbus, stehengeblieben zwischen Abbruch und Aufbau und bisher noch nie öffentlich bespielt (ein Umstand, der am Tag vor der Premiere beinahe zum Scheitern des Projekts wegen unerfüllbarer Sicherheitsauflagen geführt hätte, weshalb die fünf Aufführungen kurzerhand zu Privatveranstaltungen auf eigene Gefahr umdeklariert werden mussten).

Das fensterlose, halb demontierte 70er-Jahre-Schwimmbad im Keller einer ehemaligen Textilfabrik in der Streitfeldstraße, die heute von der unabhängigen Künstlergenossenschaft «streitfeld» genutzt wird, könnte allein schon jede Menge paranoide Fantasien ...

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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Silvia Stammen

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