Performance: Auf eigene Gefahr
Nichts ist langweiliger als das, was man kann. Gegen derartige Ernüchterung hilft ab und an eine selbstverordnete Irritation, wie es für Schauspieler durchaus der Verzicht auf Sprache sein kann. Eine entschlossene Einzelkämpferin wie Sandra Hüller wagt sich auch schon mal in ungespurtes Terrain, begleitet nur von einer künstlerischen Komplizin, die noch einmal fünf Jahre jünger ist als sie selbst, die niederländische Regisseurin Caitlin van der Maas.
Gemeinsam und frei vom Schutz der Institution Stadttheater haben sie die Solo-Performance «Face me» produziert.
Schon der Austragungsort ist eine Art Limbus, stehengeblieben zwischen Abbruch und Aufbau und bisher noch nie öffentlich bespielt (ein Umstand, der am Tag vor der Premiere beinahe zum Scheitern des Projekts wegen unerfüllbarer Sicherheitsauflagen geführt hätte, weshalb die fünf Aufführungen kurzerhand zu Privatveranstaltungen auf eigene Gefahr umdeklariert werden mussten).
Das fensterlose, halb demontierte 70er-Jahre-Schwimmbad im Keller einer ehemaligen Textilfabrik in der Streitfeldstraße, die heute von der unabhängigen Künstlergenossenschaft «streitfeld» genutzt wird, könnte allein schon jede Menge paranoide Fantasien ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2015
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Silvia Stammen
Die Autorentheatertage 2015 begannen mit einem überraschenden Frontalzusammenstoß. Der diesjährige Jurysprecher Peter Michalzik hatte eine kleine Eröffnungs-Brandrede vorbereitet mit 17 Thesen, die voller Behauptungsfreude und weitgehend begründungsfrei das Drama, das Theater, das Sprechen, das Performative, das Inszenieren und noch ein paar andere...
Das Campo Gent hat sich ganz unauffällig in die erste Reihe internationaler Theater gespielt. Ein Report
Jonas Hassen Khemiri ist ein grundoptimistischer Autor, der sich gerne mit sehr hoffnungsfrohen Figuren umgibt. Auch sein Blick auf die Mikroökonomie einer neoliberalen Gesellschaft sucht immer zuverlässig die beste aller Welten darin. Das Ergebnis heißt...
Lieben Sie die Klassik so wie die Russen? Sie, musikalische Italiener, und Sie, ironische Briten? Du, scharfsinniger Gallier, und Du, düsterer Germane?
Die leidenschaftlich-selbstlose und hysterische Klassikerliebe ist in Russland schon längst nicht mehr nur die Hingabe an das Schöne. Es ist die Liebe zu etwas Sakrosanktem, nicht in Frage zu Stellendem, das die...
