Szenenapplaus für eine Schreibmaschine
Sie haben die Band wieder zusammengebracht: Mit dem neuen Schauspielchef Stefan Schmidtke kam auch der russische Autor und Performer Jewgeni Grischkowez nach mehrjähriger Pause zurück zu den Wiener Festwochen. In den Nullerjahren gehörte Grischkowez zu den Stammgästen und Publikumslieblingen des Festivals; mitverantwortlich für den Erfolg seiner Erzähltheatersolos war der kongeniale Simultanübersetzer Schmidtke. Kein Wunder, dass die Rückkehr des Duos vom Festwochenpublikum ähnlich freudig begrüßt wurde wie von Popfans einst die Reunion von Simon and Garfunkel.
«Abschied vom Papier» ist aber auch aus anderen Gründen eine Comebackproduktion:
Davor hatte sich Grischkowez für ein paar Jahre von der Bühne zurückgezogen, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Thema des Abends, der 2012 Premiere hatte, ist die Vergänglichkeit. «Niemals» und «für immer» seien die schlimmsten Wörter für ihn, sagt Grischkowez; sie erinnerten ihn daran, dass das Leben endlich ist. «Ich mochte den Roman ‹Der letzte Mohikaner›, aber der Titel gefiel mir nicht. Hätte er nicht ‹Der vorletzte Mohikaner› heißen können?» Im Speziellen trauert der Erzähler in «Abschied vom Papier» jenen Kommunikationsmitteln nach, ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Aufführungen/Festivals, Seite 16
von Wolfgang Kralicek
Das ist eine Geschichte, wie sie der, über den in ihr berichtet wird, selber erdacht haben könnte: Der Spitzel eines diktatorischen Regimes hockt jahrelang in seinem Observationskabuff und registriert jede Bewegung des ihm obskuren Objekts seiner Beobachtungsbegierde. Voller Pflichteifer bekommt er aber gar nicht mit, dass der angebliche Staatsfeind längst...
Ewald Palmetshofer, 1978 in Linz geboren, wächst im Mühlviertel, genauer in Mönchdorf, in Oberösterreich auf. Nach Schule und Zivildienst geht er nach Wien, um zunächst Theaterwissenschaft und Germanistik, dann Theologie, Philosophie und Psychologie auf Lehramt zu studieren.
Ich habe mich länger gefragt, ob ich überhaupt diese wenigen biografischen Daten dieser...
Die Titelseite der «taz» vom 21.6.2015 zeigte ein Foto, das (angeblich) in einem Krankenhaus im sizilianischen Augusta aufgenommen worden war. Es zeigte eine Art Andachtsraum, in dem ein riesiger geöffneter Kühlschrank stand, darin gestapelt Müllsäcke, die augenscheinlich Tote enthielten. Auf dem Steinboden darunter war ein großer brauner Fleck zu sehen, offenbar...
