Vertrauen ist besser
Zum Schluss wird noch einmal gezaubert, verstörend, verspielt und getrieben von einer unbeirrbaren Sehnsucht nach der Magie von Begegnung. Aus anfänglicher Vereinzelung finden sich Paare und Grüppchen, die sich neugierig beschnuppern und zu wackligen Pyramiden türmen, die stets vorzeitig zusammenbrechen. Sechs Performer und drei Musiker probieren aus, wie viel Leben auf eine Bühne passt, wie zwei Frauen aus offensiver Nacktheit für einen Moment tatsächlich ausgelassene erotische Nähe entstehen lassen können und dann wieder große Illusion.
Eine Zuschauerin verschwindet ganz klassisch in einem Spiegelkasten, ein braunes Kaninchen wird herumgereicht und darf wider Erwarten sichtbar bleiben.
«Until Our Hearts Stop» von Meg Stuart ist die letzte Premiere unter der Intendanz von Johan Simons an den Münchner Kammerspielen und zugleich ein virulentes Statement für ein Theater der physischen Intuition, das keine Grenzen akzeptiert und dabei auch einen Hauch von Melancholie verströmt. «Es verschwinden gerade viele an diesem Haus. Doch die gehen nicht so elegant …», spöttelt Kristof Van Boven als Conferencier und einziger originärer Kammerspieler in der Koproduktion mit Stuarts Brüsseler ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Bilanzen, Seite 6
von Silvia Stammen
Das Schauspiel war in der Ära von Georges Delnon die drittwichtigste Sparte am Theater Basel. Der Intendant gab Publikum und Belegschaft neun Jahre Zeit, sich an diesen Gedanken zu gewöhnen. Man gewöhnte sich aber schlecht daran. Ein Dreispartenhaus, dazu das größte der Schweiz, dessen Schauspiel zur deutschsprachigen Bühnenkunst wenig Bedeutendes beizutragen hat,...
Um es klar zu sagen: Auch in Darmstadt sieht man nicht mehr Menschen als anderswo mit schäbigen Klamotten, deren Zittern ihre Getränke-Vorlieben verrät (eine Eigenschaft, von der der Datterich seinen Namen hat). Ich habe auch in Darmstadt noch nie gehört, dass jemand die einschlägigen Datterich-Sätze sagt: «Trinke Se, da komme Se uf annern Gedanke.» Oder, ganz...
Ich wünschte, ich könnte besser lügen, dann könnt’ ich sagen, ich bin die Großnichte.» Von Ödön von Horváth nämlich. Sagt Rita von Horváth. «Es ist ein relativ verbreiteter Name in Ungarn und auch in Wien», sagt sie, und nein, sie ist in gar keiner Linie mit Horváth verwandt. Und hat auch noch nie einen Horváth souffliert in den zwanzig Jahren, in denen sie als...
