Perestroika-Menschen
Am 20. August 1991 wartete ich in einer Stadt in den Abruzzen auf Kurt Hübner. Er war in einen Kiosk gegangen, und ich sehe ihn noch heute, wie er zurückkam, mir die deutsche Zeitung hinhielt und die Hände über dem Kopf zusammenschlug: «Putsch in der Sowjetunion – Ausnahmezustand – Präsident Gorbatschow unter Hausarrest.»
Mit Hübner sollte ich an diesem Tag ein Interview führen, das erste meines Lebens, für die Zeitschrift «Theater heute». Ich hatte alles über den legendären Bremer Theaterintendanten gelesen.
Wie er Zadek entdeckte, Bruno Ganz, Fassbinder, Kresnik oder Edith Clever. Wie er den berühmten «Bremer Stil» entwickelte! Das Interview fand in seinem Ferienhaus in Montefino statt, wir saßen draußen, gegenüber des mächtigen Bergmassivs Grand Sasso, wo Mussolini nach seinem Sturz festgehalten worden war.
Hübner hatte sich seinen blauen Pullover über die Schulter geworfen, starrte über den Rand seiner schwarzen Brillengläser auf das Bergmassiv und sprach nur über Gorbatschow. Wie dessen «Perestroika» und «Glas -nost» die Welt veränderten. Wie er das Tauwetter für den Kalten Krieg einleitete. Wie er es geschafft hatte, diesen so ungeheuer schlechten Schauspieler Ronald ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Moritz Rinke
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