Papier ist umsonst, Tapetenkleister kostet einen Euro
Das ist das? Ist dick, rollt, wackelt und wippt, tanzt plötzlich zierlich und graziös? Das ist der Bruder von den drei Schwestern.
Was ist das? Hängt kopfüber in fünf Seilen und schaukelt und ist schwarz? Die Töchter von Bernarda Alba.
Wie kann das sein? Ein grünes Kleid, das blutet, das Blut auswäscht, bis es hautfarben am Körper klebt, aussieht wie nackt?
Wer kommt auf die Idee, ein Kleid aus einem Fallschirm zu basteln? Ein Tarnnetz für Kanonen über einen Reifrock zu spannen? – Andrea Schraad, Kostümbildnerin am Thalia Theater in Hamburg.
Bloß keine Kostüme!
Hat Theater nicht mit Verkleiden zu tun? Der Lust an Stoffen, Formen, Farben? Der Sehnsucht, sich zu verwandeln? Ach, Kostüme, die wie Kostüme aussehen, sind out. Wir machen nicht Theater, wir zeigen das Leben! Werch ein Illtum (Ernst Jandl).
Abgesehen von gelangweilten Zuschauern und arbeitslosen Werkstätten, was halten Schauspieler vom Nicht-Kostüm? Sie schimpfen. Zum Beispiel Annette Paulmann und Oliver Mallison, beide an den Münchner Kammerspielen. Paulmann: «Kostümbild ist eine verkommene Zunft. Die suchen Kleider für mich aus ‹Elle›, möglichst in Größe 34. Oder sie gehen einkaufen bei Hasi und Mausi (H&M). Bloß ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Meisterinnen der Äußerlichkeit, Seite 122
von Ulrike Kahle-Steinweh
Traute Held hat Brustkrebs. Täglich muss sie zur Bestrahlung. Ihre jüngste Tochter hat ihr die Haare abrasiert und bewahrt sie in ihrem Kissen auf, damit sie von der Mutter träumt. Traute verlässt ihre Töchter und ihren Mann Erwin, erstmal, obwohl sie ihn liebt.
Erwin hat ein schlechtes Gewissen, weil er nicht da war, als Traute von ihrer Krankheit erfuhr. Auch...
Theater heute Liebe Karin Beier, lieber Joachim Lux, lieber Oliver Reese: Sie leiten demnächst oder sehr bald zum ersten Mal selbst ein Theater – und zwar keine kleinen Bühnen in der Provinz, sondern alles erste Häuser. Gratulation! Wenn man so einsteigt, muss man sich überlegen: Wo steht das Theater in der Stadt und in der Gesellschaft – und wo will man selbst...
Können Christen, Juden und Muslime sich im gemeinsamen Menschlichen versöhnen? Diese Frage hat bereits 1779 Gotthold Ephraim Lessing beschäftigt; mit seiner Parabel «Nathan der Weise» formulierte er die Notwendigkeit, ein stabiles Gleichgewicht zwischen den Religionen auf der Basis der Vernunft zu erringen. Lessing trat damit seinerzeit in den Widerstreit zur...
