Papier ist umsonst, Tapetenkleister kostet einen Euro

Die Kostümbildnerin Andrea Schraad

Theater heute - Logo

Das ist das? Ist dick, rollt, wackelt und wippt, tanzt plötzlich zierlich und graziös? Das ist der Bruder von den drei Schwestern.
 

Was ist das? Hängt kopfüber in fünf Seilen und schaukelt und ist schwarz? Die Töchter von Bernarda Alba.
 

Wie kann das sein? Ein grünes Kleid, das blutet, das Blut auswäscht, bis es hautfarben am Körper klebt, aussieht wie nackt?
 

Wer kommt auf die Idee, ein Kleid aus einem Fallschirm zu basteln? Ein Tarnnetz für Kanonen über einen Reifrock zu spannen? – Andrea Schraad, Kostümbildnerin am Thalia Theater in Hamburg.


 

Bloß keine Kostüme!

Hat Theater nicht mit Verkleiden zu tun? Der Lust an Stoffen, Formen, Farben? Der Sehnsucht, sich zu verwandeln? Ach, Kostüme, die wie Kostüme aussehen, sind out. Wir machen nicht Theater, wir zeigen das Leben! Werch ein Illtum (Ernst Jandl).
 

Abgesehen von gelangweilten Zuschauern und arbeitslosen Werkstätten, was halten Schauspieler vom Nicht-Kostüm? Sie schimpfen. Zum Beispiel Annette Paulmann und Oliver Mallison, beide an den Münchner Kammerspielen. Paulmann: «Kostümbild ist eine verkommene Zunft. Die suchen Kleider für mich aus ‹Elle›, möglichst in Größe 34. Oder sie gehen einkaufen bei Hasi und Mausi (H&M). Bloß ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Meisterinnen der Äußerlichkeit, Seite 122
von Ulrike Kahle-Steinweh

Vergriffen
Weitere Beiträge
Alter ist nichts für Feiglinge!

Die Zukunft unserer Gesellschaft wird alt aussehen, so viel hat sich inzwischen herumgesprochen. Wer heute mit 65 in Rente oder mit Ende 50 in den Vorruhestand geht, hat in der Regel  ein Drittel seines Lebens noch vor sich. Es wird in Zukunft nicht nur mehr Alte als Junge geben, sondern jeder Einzelne wird in seinem Leben auch länger alt als jung sein....

Die Inszenierung des Jahres

Dimiter Gotscheffs «Perser»-Inszenierung hat es niemand leicht gemacht: Fast wäre sie im Deutschen Theater gar nicht herausgekommen, und auch bei der Auswahl des Theatertreffens mochte sich die Jury nicht zu einer Nominierung durchringen. Unsere Kritikerumfrage hält dagegen und wählt das Drama des Untergangs einer Großmacht zur Inszenierung des Jahres!

Christine...

Die einzig wirkliche Griechin

Was für eine Tragödin! Am Leib von Nina Hoss als Medea wird das Schwarz wieder zu dem, was es einmal war: die Farbe des Todes, die Farbe der archaischen Landbevölkerung, die Farbe des großen Nein zur bunten Mittelstandswelt des in seiner Berliner Variante sehr gegenwärtig ausschauenden Korinth. Ausgerechnet die Barbarin aus dem halbwilden Kolchis ist unter den...