Terror durch Toleranz

Christian Lollikes «Nathan (ohne Titel)»

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Können Christen, Juden und Muslime sich im gemeinsamen Menschlichen versöhnen? Diese Frage hat bereits 1779 Gotthold Ephraim Lessing beschäftigt; mit seiner Parabel «Nathan der Weise» formulierte er die Notwendigkeit, ein stabiles Gleichgewicht zwischen den Religionen auf der Basis der Vernunft zu erringen.

Lessing trat damit seinerzeit in den Widerstreit zur Kanzel; dessen ungeachtet kam seine Bühnenfigur Nathan in den zweifelhaften Ruf des Welterklärers, wurde oftmals als Alibi für Wiedergutmachung historischer Schuld auf den Theatersockel gehoben und sein Drama als Lehrstück missverstanden. 
 

Mit der kühlen Dekonstruktion «Nathan (ohne Titel)» gibt der dänische Autor Chris­-tian Lollike stückweise Nathan dem Theater zurück. Die UA ließ er – wohl nicht absichtslos – im Februar 07 in einer Kirche in Aarhus stattfinden.  
 

Wie einen alten Teppich trennt Lollike das aus dem Geiste der Aufklärung gewonnene kunstvolle Gewebe, das alle Vertreter der Religionen in eine große Menschheitsfamilie einband, mutwillig auf, zerlegt es in seine Bestandteile, sortiert die Materialien und überprüft sie auf ihre Wiederverwendbarkeit. Dabei häuft er Fragen wie Wollfäden aufeinander, ...

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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 164
von Heike Müller-Merten

Vergriffen
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