Panoptikum der Schreckenskunst
Da gehen also Luzifer und Michael auf der Berner Blumenwiese mit Plastik-Schwertern aufeinander los, dass es eine Art hat. Und es ist gar nicht klar, wer gewinnen wird, die Kräfteverhältnisse sind durchaus noch ausgeglichen. Aber weil Michael im Besitz der eindeutig größeren Wasserpistole ist, muss unser armer Teufel dann doch klein beigeben.
Er reckt sich nochmal rebellisch aus dem Paradiesbächlein, in das er beim Himmelssturz geplumpst ist («… das Haupt der Flut enthoben, und die Augen/In Flammen funkelnd …»), und wirft mit ausgerissenen Grasbüscheln um sich, dass man um die Wälder der Welt fürchten muss. Es hilft nichts: Am Ende muss er doch hinaus. Nun sitzt er im Kuhstall mit seinen Höllenfürsten und berät, wie man sich am Himmel rächen könnte. Bis er den glänzenden Einfall hat: Der Herr hat doch neulich ein neues Geschlecht erschaffen; wenn man sich nun an die heranmachte und sie verführte!
Mit Milton an der Feuerstelle
Sabine Auf der Heyde und Felicitas Zürcher haben am Stadtrand von Bern John Miltons «Paradise Lost» installiert – in fünf kurzen Szenen, die vom Bächlein bei der Bauernscheune bis zu der fatalen Feuerstelle führen, über der Satan als Grill-Schlange die ...
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Silberhöhe … Der Name schmilzt auf der Zunge. Vor Ort übliche Synonyme klingen weniger lieblich: Silberhölle, Silvercity, auch Hartz-IV-Ghetto. Gemeint ist dieses Neubaugebiet im Süden von Halle. Als hier noch boomendes Chemie-Gift die Gegend verseuchte, schossen die Plattenbauten wie Pilze aus dem Boden. Taiga ringsum. Von damals 39.000 Einwohnern leben heute noch...
Doch, doch, sie haben was zu bieten, die Herren Heiratskandidaten. In einer Reihe sind die vier mit ihren blumengeschmückten Gabentischen und Sonntagsanzügen an die Rampe der Kammerspielbühne vorgerückt: der grobschlächtige Chauffeur Karl (Edmund Telgenkämper), der deutschnationale Frauenhasser Müller (Jochen Noch), der speckig-wendige Kellner Max (Peter...
Schwierige Sache, die Freiheit. Kaum sagt keiner mehr, wo’s langgeht, geht alles durcheinander. Die alte Mam (Heidemarie Rohweder in einem Kurzauftritt) hat ihr Leben ausgehaucht, und vier ihrer Arbeitssklaven heben den Leichnam an, um ihn wegzutragen – aber jeder will in eine andere Richtung. Kurzes Zerren, Stolpern, Stutzen. Dann weist Noch-Vorarbeiter Stanley...
