Steinbruch Illyrien

William Shakespeare «Was ihr wollt»

Theater heute - Logo

In den Landschaften nördlich von Griechenland müssen die Leidenschaften so dionysisch sein, dass man es dem Personal von «Was ihr wollt» nicht verübeln kann, wenn es sein Heil im Komasaufen sucht. Nach den gelungenen Inszenierungen von Lars von Triers «Idioten» (Heidelberg) und Ewald Palmetshofers «wohnen. unter glas» (Wien) hat Sebastian Schug nun mit Shakespeares melancholischer Komödie einen großen Abend für Schauspieler angestrebt. 

Allerdings müsste man zu diesem Zweck ein besser bestücktes Ensemble zur Verfügung haben.

Und man sollte nicht derart auf der krachledernen Seite des illyrischen Gefühls­dschungels landen, dass von der Reise in die dialektischen Klüfte erotischer Anziehung und Abstoßung kaum was übrig bleibt. Paul Grill etwa heult in der Eingangsszene des Orsino Rotz und Wasser, bis jeder weiß: Der liebeskranke Herzog ist ein Waschlappen. Dann singen die Heidelberger Illyrier immer wieder ausdauernd, bevor in der Hasenfuß-Szene mit Sir Leichenwang und der als Cesario verkleideten Viola die Degen derart kunstvoll fliegen, dass man den Text vergessen könnte, der auch noch mit im Spiel ist. 

Mit dem Verhältnis der Inszenierung zum Text ist das so eine Sache. Zum einen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2008
Rubrik: Chronik, Seite 75
von Jürgen Berger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unsere verfickte Wut

Silberhöhe … Der Name schmilzt auf der Zunge. Vor Ort übliche Synonyme klingen weniger lieblich: Silberhölle, Silvercity, auch Hartz-IV-Ghetto. Gemeint ist dieses Neubaugebiet im Süden von Halle. Als hier noch boomendes Chemie-Gift die Gegend verseuchte, schossen die Plattenbauten wie Pilze aus dem Boden. Taiga ringsum. Von damals 39.000 Einwohnern leben heute noch...

Im Fremden bei sich

Ist das Fremde mir bekannt/ So wird dafür mir, was bekannt, ein Fremdes», sagt Jason in Grillparzers «Goldenem Vließ», als er Medea seine Liebe gesteht. «Ich selber bin mir Gegenstand geworden.» Sich selbst aus der Perspektive des Fremden sehen und so sich selbst erkennen – so könnte man Karin Beiers Spielzeitrezept formulieren, das sie den Kölnern im ersten Jahr...

Klaus Michael Grüber

Klaus Michael Grüber galt jahrzehntelang als der Dunkel- und Schmerzensmann der deutschen Theaterregie. Das war – zumindest äußerlich – nicht immer so, wie dieses Foto von Ruth Walz zeigt, aufgenommen im Sommer 1973 auf dem Schiff nach Griechenland, wohin er das Ensemble der Schaubühne um Peter Stein auf einer Exkursion zur Vorbereitung des «Antikenprojekts» und...