Outsourcing der Gefühle
Die besondere Qualität von Jugendwerken liegt nicht selten in der Vehemenz, ja Unverhältnismäßigkeit der Mittel, mit der sie ein einmal gesetztes Ziel verfolgen.
Im Fall von Heinrich von Kleists Schauerstück «Die Familie Schroffenstein» scheint es, der Autor wolle den inhärenten Schrecken der Liebe mit den kruden Schrecknissen einer feindlichen Umwelt wie den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, so überdimensioniert wirken die Brocken aus Väterhass, blindem Misstrauen, Hexenglauben und blutrünstiger Rachsucht, die er in seinem Erstling aus dem Jahr 1802 auf das zarte Pflänzchen einer unschuldigen Teenagerliebe donnern lässt. Dass Kleist dem eigenen Werk dennoch nicht verbissen gegenüberstand, zeigt ein Brief an seine Lieblingsschwester Ulrike: «Auch tut mir den Gefallen und leset das Buch nicht. Ich bitte Euch darum. Es ist eine elende Scharteke.»
Trotz dieses nachvollziehbaren Selbstzweifels des Autors ist das schroffe Stück nie ganz von den Spielplänen verschwunden, steht es doch in dem unverwüstlichen Ruf jugendlich-genialischer Radikalität. In der jüngsten Inszenierung an den Münchner Kammerspielen interessiert man sich dabei in erster Linie für die unheilvolle Verquickung von ...
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Im Sommer des Jahres 1994 saß ich an einem besonders heißen Tag auf einer Parkbank und schaute einem aufgebrachten Schwan dabei zu, wie er einen Mann quer über den Rasen jagte. Er gab dabei böse Laute von sich, und der Mann schlug Haken und flitzte, als nichts zu helfen schien, bei Rot über die Straße. Komischerweise blieb der Schwan stehen, drehte sich um und...
Hübsch ist es und mit seiner pseudobarocken Fassade eine jener Schatullen, in der man Andenken aufbewahrt, um gelegentlich mit der Vergangenheit zu spielen. Dass es in diesem Gebäude um Theater gehen soll, glaubt man im ersten Moment nicht, und letzten Herbst war kurzzeitig auch tatsächlich Ruhe im Karton. Die damals amtierende Oberbürgermeisterin musste das...
Willkommen im Land der Kälte. Eisblaue Styroporklötze stapeln sich in geordneter Unordnung bis an den begrenzten Horizont der Bühne des Weimarer Nationaltheaters. Aus der Wüste ragt ein überlanger Drehstuhl empor, der entfernt an den Schiedsrichtersitz eines Center Courts erinnert. Rechts daneben glaubt man, eine Bar zu erkennen. Der Iglu des Grauens, in dem sich...
