Outsourcing der Gefühle
Die besondere Qualität von Jugendwerken liegt nicht selten in der Vehemenz, ja Unverhältnismäßigkeit der Mittel, mit der sie ein einmal gesetztes Ziel verfolgen.
Im Fall von Heinrich von Kleists Schauerstück «Die Familie Schroffenstein» scheint es, der Autor wolle den inhärenten Schrecken der Liebe mit den kruden Schrecknissen einer feindlichen Umwelt wie den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, so überdimensioniert wirken die Brocken aus Väterhass, blindem Misstrauen, Hexenglauben und blutrünstiger Rachsucht, die er in seinem Erstling aus dem Jahr 1802 auf das zarte Pflänzchen einer unschuldigen Teenagerliebe donnern lässt. Dass Kleist dem eigenen Werk dennoch nicht verbissen gegenüberstand, zeigt ein Brief an seine Lieblingsschwester Ulrike: «Auch tut mir den Gefallen und leset das Buch nicht. Ich bitte Euch darum. Es ist eine elende Scharteke.»
Trotz dieses nachvollziehbaren Selbstzweifels des Autors ist das schroffe Stück nie ganz von den Spielplänen verschwunden, steht es doch in dem unverwüstlichen Ruf jugendlich-genialischer Radikalität. In der jüngsten Inszenierung an den Münchner Kammerspielen interessiert man sich dabei in erster Linie für die unheilvolle Verquickung von ...
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Die rückstandlose Verbühnung der epischen Literatur ist nicht mehr aufzuhalten. «Die Buddenbrooks» und «Der Zauberberg», «Der Idiot» und «Schuld und Sühne», «Elementarteilchen» und «Der Mann ohne Eigenschaften», nichts ist vor dem Zugriff gewiefter Dramaturgen sicher; der Einwand, der Autor habe sich ja vielleicht etwas dabei gedacht, als er diese und nicht eine...
Zum Showdown kommt es vor dem allerletzten Akt. Die geladenen Gäste aus Alemanha sind da längst wieder in der Heimat gelandet, und sie haben dem theatralischen Ausflug in die allertiefste, allerheißeste Fremde ziemlich viel Echo verschafft. Erst jetzt, im zweiten Anlauf wenige Tage nach der auch schon leidlich umstrittenen Premiere von Christoph Schlingensiefs...
Victor Flemings «Der Zauberer von Oz» von 1939 ist ein skurriler Film. Ein Mädchen aus Kansas träumt sich während eines Hurrikans in eine Zauberwelt, in der es, begleitet von seinem Hund, einer Vogelscheuche, einem Blechmann und einem recht würdelosen Löwen die bösen Hexen des Ostens und Westens besiegt. Das Skurrile an «Der Zauberer von Oz» ist die Mischung aus...
