Außen hui, innen pfui
Hübsch ist es und mit seiner pseudobarocken Fassade eine jener Schatullen, in der man Andenken aufbewahrt, um gelegentlich mit der Vergangenheit zu spielen. Dass es in diesem Gebäude um Theater gehen soll, glaubt man im ersten Moment nicht, und letzten Herbst war kurzzeitig auch tatsächlich Ruhe im Karton. Die damals amtierende Oberbürgermeisterin musste das Theater schließen lassen. Ein Gutachten hatte festgestellt, die Sicherheit der Beschäftigten könne nicht mehr gewährleistet werden. Es ging um Peinlichkeiten wie fehlende Toiletten und ungenügenden Brandschutz.
Vor allem aber ging es um ein Theater, das im Verlauf seiner Umbaugeschichte seit 1854 zu einem derart verschachtelten Irrgarten geworden ist, dass die Techniker heute große Kulissenteile nur noch unter artistischen Höchstleistungen bewegen können.
Die Zukunft verschieben
Bekannt ist das schon lange. Öffentlich gemacht hat es Heidelbergs neuer Intendant Peter Spuhler, der seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren so gar nicht dem Bild des typischen Heidelbergers entspricht. Spuhler ist agil bis zum Abwinken, dummerweise aber in einer Stadt gelandet, die die eigene Zukunft gerne verschiebt und sich damit ganz spezielle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zum Showdown kommt es vor dem allerletzten Akt. Die geladenen Gäste aus Alemanha sind da längst wieder in der Heimat gelandet, und sie haben dem theatralischen Ausflug in die allertiefste, allerheißeste Fremde ziemlich viel Echo verschafft. Erst jetzt, im zweiten Anlauf wenige Tage nach der auch schon leidlich umstrittenen Premiere von Christoph Schlingensiefs...
Ennio Morricone ist genervt. Der Rummel um seine Person seit dem Oscar, die zahllosen Interviews, die Fernsehauftritte, die späte und unerwartete Popularität im eigenen Land – Morricone ist es gewohnt, inkognito zu leben und zu arbeiten. Bis vor kurzem konnte er selbst in seiner Heimatstadt Rom nahezu unerkannt herumlaufen: ein Weltstar, den keiner kannte. Jetzt...
Die Schlacht beginnt mit offenem Visier: Walter Schmidinger tritt hinter einen Notenständer und liest Schillers klappernden Prolog. Jedwedes Rhythmusproblem wird mit Nichtachtung gestraft, der Text demonstrativ melodisch gesungen. Der alte Mime legt schmelzendes Timbre unter jeden Vers, schwingt ausholend die schon zitternde Hand und geht nach zehn süßlichen...
