Außen hui, innen pfui
Hübsch ist es und mit seiner pseudobarocken Fassade eine jener Schatullen, in der man Andenken aufbewahrt, um gelegentlich mit der Vergangenheit zu spielen. Dass es in diesem Gebäude um Theater gehen soll, glaubt man im ersten Moment nicht, und letzten Herbst war kurzzeitig auch tatsächlich Ruhe im Karton. Die damals amtierende Oberbürgermeisterin musste das Theater schließen lassen. Ein Gutachten hatte festgestellt, die Sicherheit der Beschäftigten könne nicht mehr gewährleistet werden. Es ging um Peinlichkeiten wie fehlende Toiletten und ungenügenden Brandschutz.
Vor allem aber ging es um ein Theater, das im Verlauf seiner Umbaugeschichte seit 1854 zu einem derart verschachtelten Irrgarten geworden ist, dass die Techniker heute große Kulissenteile nur noch unter artistischen Höchstleistungen bewegen können.
Die Zukunft verschieben
Bekannt ist das schon lange. Öffentlich gemacht hat es Heidelbergs neuer Intendant Peter Spuhler, der seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren so gar nicht dem Bild des typischen Heidelbergers entspricht. Spuhler ist agil bis zum Abwinken, dummerweise aber in einer Stadt gelandet, die die eigene Zukunft gerne verschiebt und sich damit ganz spezielle ...
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Wahnsinn Drama
Es richtet sich die Welt nach seinem Bilde und duldet keine Korrekturen an diesem Bild. Er geistert durch alle Sphären, hat die Sterne und den Kosmos, das größte Ganze im Blick – aber nur, um es seiner Beschränktheit schlau zu unterwerfen. Was er nicht sieht, das sollen die anderen auch nicht sehen, was er nicht fühlt, sie auch nicht fühlen, was er...
Marcel Proust hat einmal staunend über ein Hotel geschrieben, es sei eingerichtet gewesen «wie ein Theater», und «zahlreiche Komparserie» hätte es belebt. Im Erlanger Theater liegt der Fall genau anders herum: Da sieht man auf der Bühne einen Logierbetrieb, die Gäste im Parkett wirken wie voyeuristische Statisten, vor denen ein paar wild zusammengewürfelte Menschen...
Helmut Krausser ist ein Vielschreiber mit Furor und einer oft übersehenen sentimentalen Ader. In «Afrika» schildert er die Kunstszene als das kapitalistische Prinzip schlechthin: Künstler sind hier die Anschaffer, die Welt macht sie käuflich, und alle, fast alle, machen mit.
Im Mittelpunkt steht die zynische Lucy, Mitte 50, im Begriff, ihre Galerie an einem neuen...
