Out of London ist in
Würden sich die britischen Theatermacher etwas besser mit deutschen Klassikerzitaten auskennen, hätten sie ihrem Kultusministerium jetzt ein glorreich Goethesches «Am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!» entgegenschmettern können. Statt Gretchenklage wurden andere verbale Fäuste geschüttelt in einer ungewöhnlich lauten öffentlichen Debatte um den kommenden nationalen Kulturhaushalt, der die englischen Bühnen in ihren sowieso recht wackeligen Grundfesten erschüttert.
Dabei sah doch gerade alles so rosig aus, schien eben etwas Leben in die regionale Theaterszene zu kommen: mutigere Spielpläne von Newcastle bis Plymouth, weniger Boulevard, mehr neue Stücke und unbekannte Autoren. In Sheffield spielte man einen exotischen Europäer, Schillers «Don Carlos», und – unglaublich, aber wahr – am Derby Playhouse den ersten Shakespeare seit neun Jahren. Für beide Häuser ein Wagnis und Zeichen eines vorsichtigen Aufbruchs. Dem jetzt schon wieder der Abbruch droht.
Um die Erhitzung der Künstlergemüter zu verstehen, zunächst, was bisher geschah: Zwei lange Jahrzehnte dümpelte das englische Regionaltheater als Stief- und Sorgenkind des londonzentrischen britischen Theatersystems in äußerst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Tagebuch vom Dezember 1985 notiert Andrej Tarkowski – exakt ein Jahr vor seinem Tod –, dass er für eine Vorlesung in Stockholm vier Illustrationen von Filmszenen benötige: Buñuels «Los Olvidados» – der Traum mit dem Fleisch; Bergmans «Wilde Erdbeeren» – der Traum mit dem Sarg auf der Waldlichtung; Fellinis «Achteinhalb» – der freudianische Anfang im Tunnel;...
Jamie Carris hat von Anfang an keine besonders günstige Sozialprognose: Missbrauchsopfer, Selbstmordversuch, vernachlässigt, aggressiv. Simon Stephens zeigt ihn mit 18 – da hat er gerade den Liebhaber seiner Mutter niedergestochen und einen jungen Tankwart, weil er seine Rechnung nicht bezahlen konnte. Er sitzt mit Lynsey, 15, im geklauten Auto und träumt von...
Dora hatte auch so eine Mama. Dora, die unberechenbare, zurückgebliebene Hauptfigur in Lukas Bärfuss’ vorletztem Stück «Die sexuellen Neurosen unserer Eltern». Doras Mama war überbesorgt, dominierend und sehr zufrieden mit sich und der Art, wie sie damit umging, eine behinderte Tochter zu haben. Alices Mutter in dem neuen Stück «Alices Reise in die Schweiz» ist...
