Out of London ist in
Würden sich die britischen Theatermacher etwas besser mit deutschen Klassikerzitaten auskennen, hätten sie ihrem Kultusministerium jetzt ein glorreich Goethesches «Am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!» entgegenschmettern können. Statt Gretchenklage wurden andere verbale Fäuste geschüttelt in einer ungewöhnlich lauten öffentlichen Debatte um den kommenden nationalen Kulturhaushalt, der die englischen Bühnen in ihren sowieso recht wackeligen Grundfesten erschüttert.
Dabei sah doch gerade alles so rosig aus, schien eben etwas Leben in die regionale Theaterszene zu kommen: mutigere Spielpläne von Newcastle bis Plymouth, weniger Boulevard, mehr neue Stücke und unbekannte Autoren. In Sheffield spielte man einen exotischen Europäer, Schillers «Don Carlos», und – unglaublich, aber wahr – am Derby Playhouse den ersten Shakespeare seit neun Jahren. Für beide Häuser ein Wagnis und Zeichen eines vorsichtigen Aufbruchs. Dem jetzt schon wieder der Abbruch droht.
Um die Erhitzung der Künstlergemüter zu verstehen, zunächst, was bisher geschah: Zwei lange Jahrzehnte dümpelte das englische Regionaltheater als Stief- und Sorgenkind des londonzentrischen britischen Theatersystems in äußerst ...
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Es gibt natürlich eine Webseite. Auf www.die-leiden-des-jungen-werther.de kann man sich die Briefe des längst tot Geglaubten als Mail schicken lassen, täglich oder – zur Wahrung des Zeitgefühls – den datierten Abständen folgend. Ein Hauch von «norway.today» durchweht den Klassiker. Man kann auch Seiten suchen, die Werther und Kurt Cobain in einen Zusammenhang...
Ein Krieg ist zu Ende. Dass er damit für die Menschen, die ihn erlebt haben, für all die Heimkehrenden, Befreiten, Zurückgebliebenen noch lange nicht beendet ist, wird meist verdrängt. Anders in Lars Noréns jüngstem Stück, in dem er zeigt, dass Krieg und die Folgen eines Krieges strukturell gleich zerstörerisch sind.
Ein Familienvater kehrt aus dem Lager zurück....
Das Unterschichtenfernsehen beginnt dort, wo Gert Scobel nicht mehr mit deutschen Professoren über Einstein diskutiert und Harald Schmidt sich nicht mehr unter safrangelben Tüchern versteckt. Alles andere ist dem Kulturbürger, der sich zur Verteidigung der Hochkultur igelartig zusammengerollt hat, igitt. Um zwanzichuhrfümfz'n, nach Tagesschau und Kulturzeit, wird...
