Opfertod im Opernhaus
Die Intendantin führte aus, sie habe, nach dem Eintreffen der beunruhigenden Nachrichten und sobald ihr klar geworden war, dass sie weder Mitarbeiter noch Zuschauer ohne deren Wissen oder Zustimmung, sozusagen feldherrnartig, in die ihr behördlich avisierte Schlacht werfen dürfe, den Versuch unternommen, unter den künstlerischen und technischen Angestellten ihres Hauses und dem in den Abonnementsdateien erfassten und somit postalisch erreichbaren Teil ihres Publikums für den Opfertod zugunsten der FREIHEIT DER KUNST zu werben.
Die rare Möglichkeit eines solchen Opfertodes sei, habe sie geschrieben, nach den Warnungen des Innensenators und der Sicherheitsbehörden in greifbare Nähe gerückt und böte die kostbare Chance, es den verbohrten islamistischen Fundamentalisten gewissermaßen mit gleicher Münze heimzuzahlen. Die FREIHEIT DER KUNST wäre, das hätten aufschlussreiche Gespräche mit höchsten Regierungsstellen und ihren für diese Frage zuständigen Unterabteilungen ergeben, durchaus den zu behauptenden westlichen Werten zuzurechnen, rangiere auf der Liste dieser Werte sogar an einem der oberen Plätze gleich hinter der Meinungs-, Glaubens- und Versammlungsfreiheit und rechtfertige ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Perücken sind billig und die Outfits schrill. Wichtigstes Bühnenrequistit ist ein gammeliger Dönerspieß aus Pappmaché. Ansonsten wird vorzugsweise vor einer scheußlichen Fototapete gespielt – eine Kulisse, die selbst Schlingensief-Bühnen wie Nachbauten aus dem Schöner-Wohnen-Katalog aussehen lässt. Auch die knalligen Spieler der aus dem prallen Kiezleben...
Welch Schauspiel, aber ach – kein Schauspiel, nein. Ein undurchdringlich schwarzer Raum öffnet sich vor erwartungsvollem Blick. Wuchtige, gleichfalls schwarze Mauern, variabel, an den Seiten. Hier agieren sie – Dirk Glodde (Faust) und Ahmad Mesgarha (Mephistopheles) in grauem Schlabberlook, verdammt ins ewig Leere. Einziger Zufluchtsort des meditierenden Faust...
Jonathan Fischer, ein Mann in reifen Jahren, gespielt von Karl Kranzkowski, taucht eines heiteren Morgens in einem Gästehaus auf Sardinien auf. Er will seine Tochter kennenlernen, die er noch nie gesehen hat. Erstmal verliebt er sich aber in Annabella Silberstein (Hannelore Elsner), die beste Freundin von deren Mutter. Im Verlauf zweier sonnendurchfluteter Stunden...
