Kiez-Comedy vom echten Leben

«Gutes Wedding, schlechtes Wedding» – eine Berliner Theatersoap wird Kult

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Die Perücken sind billig und die Outfits schrill. Wichtigstes Bühnenrequistit ist ein gammeliger Dönerspieß aus Pappmaché. Ansonsten wird vorzugsweise vor einer scheußlichen Foto­tapete gespielt – eine Kulisse, die selbst Schlingensief-Bühnen wie Nachbauten aus dem Schöner-Wohnen-Katalog aus­sehen lässt. Auch die knalligen Spieler der aus dem prallen Kiezleben gegrif­fe­nen Theatersoap «Gutes Wedding, Schlech­tes Wedding» des Prime Time Theaters erfüllen nicht unbedingt die Anforderungen, die Leser dieser Zeitschrift gemeinhin an die Schauspielkunst stellen mögen.


Sie chargieren, dass sich die Bretter der winzigen Bühne im Berliner Bezirk Wedding biegen, lassen kein Klischee aus und haben meist gleich ein halbes Dutzend Figuren zu verkörpern. Oliver Tautorat zum Beispiel, der gleich­zeitig den breit grinsenden, haargel- und handyversessenen Dönerlieferanten Murat, die füllige türkische Obermatrone und Horrormatriarchin Hülia, einen griechischen Psychoanalytiker namens Dr. Philantropulos, das tür­kische Potenzwunder «Der Tiger vom Wed­ding» oder den Superproll Kalle spielt. Vor Beginn der Vorstellung (prime­time-gemäß um 20.15 Uhr) steht Tautorat auch an der Kasse und sortiert später ...

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Theater heute November 2006
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Esther Slevogt

Vergriffen
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