Kiez-Comedy vom echten Leben
Die Perücken sind billig und die Outfits schrill. Wichtigstes Bühnenrequistit ist ein gammeliger Dönerspieß aus Pappmaché. Ansonsten wird vorzugsweise vor einer scheußlichen Fototapete gespielt – eine Kulisse, die selbst Schlingensief-Bühnen wie Nachbauten aus dem Schöner-Wohnen-Katalog aussehen lässt. Auch die knalligen Spieler der aus dem prallen Kiezleben gegriffenen Theatersoap «Gutes Wedding, Schlechtes Wedding» des Prime Time Theaters erfüllen nicht unbedingt die Anforderungen, die Leser dieser Zeitschrift gemeinhin an die Schauspielkunst stellen mögen.
Sie chargieren, dass sich die Bretter der winzigen Bühne im Berliner Bezirk Wedding biegen, lassen kein Klischee aus und haben meist gleich ein halbes Dutzend Figuren zu verkörpern. Oliver Tautorat zum Beispiel, der gleichzeitig den breit grinsenden, haargel- und handyversessenen Dönerlieferanten Murat, die füllige türkische Obermatrone und Horrormatriarchin Hülia, einen griechischen Psychoanalytiker namens Dr. Philantropulos, das türkische Potenzwunder «Der Tiger vom Wedding» oder den Superproll Kalle spielt. Vor Beginn der Vorstellung (primetime-gemäß um 20.15 Uhr) steht Tautorat auch an der Kasse und sortiert später ...
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