Operation am offenen Gehirn
Woran liegt es, wenn es wieder einmal hakt im Hirn? Wenn sich angesichts der leeren Bühne oder des weißen Papiers alle Ideen ganz hinten im Gestrüpp der grauen Zellen versteckt zu haben scheinen? Handelt es sich in solchen Fällen tatsächlich um voll zurechnungsfähiges menschliches Versagen? Oder bloß um einen akuten Mangel an bestimmten Neurotransmittern in unserem Denkorgan? Was läuft dort ab, wenn man glaubt, sich gerade ganz ungezwungen zwischen A und B zu entscheiden? Bestimmen neuronale Kurzschlüsse und kollabierende Synapsen unser Schicksal? Oder, anders gefragt, ist der Mensch
mehr als sein Hirn?
Thesen, die uns in letzter Zeit vor allem in den Debatten um Schuldfähigkeit und Willensfreiheit zwischen argumentativ oft schwächelnden Moralphilosophen und hemdsärmligen Hardcore-Naturalisten wie Wolf Singer oder Benjamin Libet begegnet sind und die im Ansatz doch schon seit über hundert Jahren, unter anderem von Georg Büchners jüngerem Bruder Ludwig verbreitet wurden. Sein Hauptwerk «Kraft und Stoff» aus dem Jahr 1855 galt damals bald als Bibel der Materialisten und wurde zur Inspirationsquelle des russischen Nihilismus. Jewgenij Basarow, der Held aus Iwan Turgenjews 1862 ...
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Warum hassen wir die Juden?»
Der junge, schlaksige Mann mit dem rasierten Kopf und dem grauen Anzug schaut prüfend seinem Publikum ins Auge. Die Pause ist gut gesetzt. Didaktisch wohltemperiert und im absurden Zirkelschluss führt er aus: Nicht weil die Juden die Banken kontrollieren und den besten Sex haben, hassen wir sie, sondern «weil es ein kulturelles Axiom...
Topfpflanzen. Ein Wald aus eingetopften, aber riesenhaften Büschen, zwei bis drei Meter hoch mindestens. Die Bühnenbildnerin Katrin Brack, die dem Ganzen im Theater immer mit einer einzigen Idee begegnet, hat für Luk Percevals Inszenierung von Arthur Millers «Tod eines Handlungsreisenden» das Dschungelmotiv mit dem der häuslichen Grünpflanze gekreuzt. Vorne Sofa...
Eine halbe Stunde vor der Premiere von Maxim Gorkis Szenen aus der Tiefe, «Unten», trifft man Ernst Stötzner mit einem Blumenstrauß im Arm an der Drehtür des Hotels «Reichshof» gleich neben dem Hamburger Schauspielhaus. «Ist was?», reagiert er fidel auf erstaunte Blicke. Kurz vor Beginn des ebenfalls von Jürgen Gosch inszenierten Düsseldorfer «Macbeth» zur...
