Ein Brocken Schweiz
Angefangen hat alles zu jener Zeit, da Schweizer Mädchen klassischerweise Au-Pairs werden und Jungs in die Rekrutenschule gehen und allgemein der erste Ernst des Lebens geprobt wird. Oder dessen Leichtigkeit. Nach dem Abitur entschloss sich Reto Finger nämlich, gemeinsam mit einem Heidelberger Freund Theater zu machen. Und zwar alles. Er schrieb, spielte – und scheiterte. Merkte, dass er das nicht kann, jeden Abend die Energie und die Eitelkeit zu mobilisieren, die es braucht, um eine Bühne zu beherrschen. Dass ihm die körperliche Performance nicht liegt.
Dass er das Papier an sich, die Bücher, vielleicht auch die Akten und Paragraphen lieber mag.
Er studierte Jura, schloss ab, arbeitete als Jurist am Europa-Institut und am Gericht, sah die Fälle an sich vorbeiziehen wie auf einer Bühne, all die Fälle, die sich im Gericht selbst ausschließlich über Sprache abspielen oder reproduzieren. Und er verdiente richtig anständig Geld, was doch die wenigsten Jungdramatiker von sich behaupten können, weder im Leben vor noch im Leben in der Kunst. Nach neun Monaten Geldverdienen war die Schwangerschaft, die es offenbar brauchte, um wieder in die Kunst zurückzufallen, vorbei. Reto Finger, ...
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Topfpflanzen. Ein Wald aus eingetopften, aber riesenhaften Büschen, zwei bis drei Meter hoch mindestens. Die Bühnenbildnerin Katrin Brack, die dem Ganzen im Theater immer mit einer einzigen Idee begegnet, hat für Luk Percevals Inszenierung von Arthur Millers «Tod eines Handlungsreisenden» das Dschungelmotiv mit dem der häuslichen Grünpflanze gekreuzt. Vorne Sofa...
Überall hin verfolgte einen dieser Dackel in Bochum. Zwischen der Maschinenhalle «Friedlicher Nachbar» und dem Museum, zwischen der Zeche 1 und den Kammerspielen, zwischen dem Bunker «Bastion» und dem Prinz Regent Theater: Der kleine braune Kurzhaardackel war schon da, reckte einem seinen Bauch entgegen und ließ sich sanft kraulen – ein idyllisches Bild. Ein...
Ibsens Auferstehung: Heddas und Noras auf fast allen deutschen Bühnen. «Absturzängste des Bürgertums» seien aktuell, sagt Thomas Ostermeier, der Protagonist des Ibsen-Revivals. Nun stürzt das Bürgertum schon seit 100 Jahren ab. Sein Überleben könnte also von seinen Absturzängsten verursacht sein und Ibsens dauerhafter Erfolg von der hartnäckigen, alternativlosen...
