Ein Brocken Schweiz

Reto Finger kommt aus Rumendingen, könnte auch als Jurist arbeiten und schreibt lieber Stücke – ein Porträt

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Angefangen hat alles zu jener Zeit, da Schweizer Mädchen klassischerweise Au-Pairs werden und Jungs in die Rekrutenschule gehen und allgemein der erste Ernst des Lebens geprobt wird. Oder dessen Leichtigkeit. Nach dem Abitur entschloss sich Reto Finger nämlich, gemeinsam mit einem Heidelberger Freund Theater zu machen. Und zwar alles. Er schrieb, spielte – und scheiterte. Merkte, dass er das nicht kann, jeden Abend die Energie und die Eitelkeit zu mobilisieren, die es braucht, um eine Bühne zu beherrschen. Dass ihm die körperliche Performance nicht liegt.

Dass er das Papier an sich, die Bücher, vielleicht auch die Akten und Paragraphen lieber mag.
Er studierte Jura, schloss ab, arbeitete als Jurist am Europa-Institut und am Gericht, sah die Fälle an sich vorbeiziehen wie auf einer Bühne, all die Fälle, die sich im Gericht selbst ausschließlich über Sprache abspielen oder reproduzieren. Und er verdiente richtig anständig Geld, was doch die wenigs­ten Jungdramatiker von sich behaupten können, weder im Leben vor noch im Leben in der Kunst. Nach neun Monaten Geldverdienen war die Schwan­gerschaft, die es offenbar brauchte, um wieder in die Kunst zurückzufallen, vorbei. Reto Finger, ...

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Theater heute November 2006
Rubrik: Autoren zu entdecken, Seite 48
von Simone Meier

Vergriffen
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