On the run
Die 60. Berlinale war ein Festival in einem tief verschneiten, eisglatten Berlin, und nicht einmal der omnipräsente, mopsfidele, genussfreudige und sehr selbstironische Chef Dieter Kosslick konnte verhindern, dass der Jubiläumsjahrgang in die Annalen eingehen wird als Festival der einsamen, schweigsamen, leider auch kriminellen Männer. Der deutsche Mann, so erzählten drei verblüffend parallel angelegte Filme im Wettbewerb, in der Perspektive Deutsches Kino und im Forum, spricht wenig und überfällt viel, Banken z.B. oder Geldtransporte. Dann ist er auf der Flucht.
Bewegung als Zweck: «Der Räuber»
Benjamin Heisenbergs Wettbewerbsfilm «Der Räuber» bringt das Thema von der ersten Einstellung an ins Bild: Der Räuber rennt. Im Kreis und auf der Stelle. Denn noch ist er im Knast, er läuft im Gefängnishof oder auf einem Laufband in der Zelle. Auch nach der Entlassung sehen wir Rettenberger, einen athletisch hageren Mann mit undurchdringlicher Miene (Andreas Lust), vor allem – laufen, laufen, laufen: durch Fußgängerzonen, Wälder, Felder.
Er überfällt Banken, einmal gleich zwei am selben Tag, hinter einer Maske, die seinem maskenhaften Gesicht zum Verwechseln ähnlich sieht. Er ...
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So flott geht’s nicht mal bei Thalheimer: In gerade mal 70 Minuten ist «Faust I» abgehakt, vom Studierzimmer bis zum Kerker, von «Habe nun, ach …» bis «gerettet». Schließlich will man in insgesamt gut zweieinhalb Stunden nicht nur beide Teile von Goethes Tragödie durchmessen, sondern auch noch das Faust-Gedicht von Nikolaus Lenau, das zwischen 1833 und 1836 gezielt...
Auf dem Nachttisch steht eine Schale mit Obst und Schokolade. Auch an eine Wasserflasche und Bettlektüre haben die aufmerksamen Gastgeber gedacht: Neben einem Bildband über die schönsten Strände – für eine Irrfahrerin im Geiste des Odysseus keinesfalls unerheblich – liegt Ralf Rothmanns Erzählband «Rehe am Meer». Von dem inzwischen in Berlin lebenden...
«Alles, was eine große Wirkung getan hat, kann eigentlich nicht mehr beurteilt werden.» Das hat Goethe zu Kanzler von Müller gesagt. Ein Beispiel dafür ist, was «der Schlegel-Tieck» genannt wird. Generationen haben den Doppelnamen aus dem väterlichen Bücherschrank buchstabiert. Aber der große deutsche Shakespeare-Übersetzer hieß August Wilhelm Schlegel.
Schlegel...
