So wie es ist, wird es nicht bleiben
Herfried Münklers Problemwarnung ist scheinbar zweigeteilt. Zum einen mahnt er die fehlende Eigenverantwortung durch Dezentralisierung der Demokratisierung an – ganz konkret die scheinbare Unmöglichkeit eines funktionierenden EU-Parlaments. Zweitens die Wegdelegierung des eigenen Engagements aus historisch gewachsenen demokratischen Organisationen wie Parteien und Gewerkschaften in neuere unverantwortlichere Strukturen wie NGOs, die nach Münkler lediglich mit Geld gefüttert und nicht durch eine authentische Teilhabe beglaubigt werden.
Und schließlich beschwört er die Aristokratisierung dieser neuen Organisationen durch fehlende Kontrollmechanismen, woraus die mehr oder minder schleichende Erosion der bürgerlichen Demokratie insgesamt folgt.
Natürlich ist das richtig, dem ist nichts hinzuzufügen, außer vielleicht mehr oder weniger spannende Berichte über Korruption und Amtsanmaßung sowie die einschlägigen Klagen der Kulturarbeiter, wie viele Jahre das eine oder andere Theater davon leben könnte, wenn es das Geld bekäme, was gerade die da oben veruntreut haben.
Was mich dennoch stört an diesen Aussagen, ist der verhaltene Kulturpessimismus, will sagen, wenn schon ...
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Herfried Münklers Problemwarnung ist scheinbar zweigeteilt. Zum einen mahnt er die fehlende Eigenverantwortung durch Dezentralisierung der Demokratisierung an – ganz konkret die scheinbare Unmöglichkeit eines funktionierenden EU-Parlaments. Zweitens die Wegdelegierung des eigenen Engagements aus historisch gewachsenen demokratischen Organisationen wie Parteien und...
«Alles, was eine große Wirkung getan hat, kann eigentlich nicht mehr beurteilt werden.» Das hat Goethe zu Kanzler von Müller gesagt. Ein Beispiel dafür ist, was «der Schlegel-Tieck» genannt wird. Generationen haben den Doppelnamen aus dem väterlichen Bücherschrank buchstabiert. Aber der große deutsche Shakespeare-Übersetzer hieß August Wilhelm Schlegel.
Schlegel...
So flott geht’s nicht mal bei Thalheimer: In gerade mal 70 Minuten ist «Faust I» abgehakt, vom Studierzimmer bis zum Kerker, von «Habe nun, ach …» bis «gerettet». Schließlich will man in insgesamt gut zweieinhalb Stunden nicht nur beide Teile von Goethes Tragödie durchmessen, sondern auch noch das Faust-Gedicht von Nikolaus Lenau, das zwischen 1833 und 1836 gezielt...
