So wie es ist, wird es nicht bleiben

Brauchen wir neue Regierungsformen in radikal veränderten Zeiten? Armin Petras denkt Herfrieds Münklers Befund zur Gefährdung der Demokratie weiter und wünscht sich – das Jauchzen

Theater heute - Logo

Herfried Münklers Problemwarnung ist scheinbar zweigeteilt. Zum einen mahnt er die fehlende Eigenverantwortung durch Dezentralisierung der Demokratisierung an – ganz konkret die scheinbare Unmöglichkeit eines funktionierenden EU-Parlaments. Zweitens die Wegdelegierung des eigenen Engagements aus historisch gewachsenen demokratischen Organisationen wie Parteien und Gewerkschaften in neuere unverantwortlichere Strukturen wie NGOs, die nach Münkler lediglich mit Geld gefüttert und nicht durch eine authentische Teilhabe beglaubigt werden.

Und schließlich beschwört er die Aristokratisierung dieser neuen Organisationen durch fehlende Kontroll­mechanismen, woraus die mehr oder minder schleichende Erosion der bürgerlichen Demokratie insgesamt folgt.
 

Natürlich ist das richtig, dem ist nichts hinzuzufügen, außer vielleicht mehr oder weniger spannende Berichte über Korruption und Amtsanmaßung sowie die einschlägigen Klagen der Kulturarbeiter, wie viele Jahre das eine oder andere Theater davon leben könnte, wenn es das Geld bekäme, was gerade die da oben veruntreut haben.
 

Was mich dennoch stört an diesen Aussagen, ist der verhaltene Kulturpessimismus, will sagen, wenn schon ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2010
Rubrik: Demokratisierung, Seite 52
von Armin Petras

Vergriffen
Weitere Beiträge
Den Ruhrpott mit der Seele suchen

Auf dem Nachttisch steht eine Schale mit Obst und Schokolade. Auch an eine Wasserflasche und Bettlektüre haben die aufmerksamen Gastgeber gedacht: Neben einem Bildband über die schönsten Strände – für eine Irrfahrerin im Geiste des Odysseus keinesfalls unerheblich – liegt Ralf Roth­manns Erzählband «Rehe am Meer». Von dem inzwischen in Berlin lebenden...

Karneval der Krisengewinnler

Das Verlässliche an der Habsucht ist, dass sie sich nicht therapieren lässt. Schon gar nicht von ein paar Bankenpleiten. Im Gegenteil. So ein globaler Finanzkrach wirkt erfrischender als Heilfasten: Das Portfolio wird entschlackt von allem, was da so vor sich hin fault. Hinterher fühlt sich die Habsucht wie neu geboren, der Kurssturz von gestern ist der...

Sumpfgebiet

Norma ist Verkäuferin in einer Filiale des gleichnamigen Discounters, in der schon mal solche Typen wie der Paul auftauchen. Paul war mal Polizist, jetzt allerdings nennen die anderen ihn schlicht «Säufer», und dann gibt er auch noch eine jener ach so typischen Mannheimer Geschichten zum besten: Achmet, so erzählt er, lebe in einem der balkanischen Quadrate der...