Nur die Liebe zählt
Das Statement, das die international bestens vernetzte Kuratorin Marina Davydova dem Russian Case des Festivals Goldene Maske vorausschickte, formulierte in voller Absicht eine Polemik: «Bei der Auswahl der Produktionen habe ich mich von nichts anderem als von ästhetischen Kriterien leiten lassen», erklärte sie.
«Während in Russland – wie überall auf der Welt – die Zahl feministischer, postkolonialer, antikapitalistischer, psychotherapeutischer und anderer theatralischer Produkte anwächst, die für die zeitgenössische Agenda relevant sind, nimmt die Menge an Kunst in diesen Theatern ab.»
Dass Davydova in Russland, wo Journalist*innen und Künstler*innen regelmäßig durch direkte staatliche Eingriffe oder sogenannte patriotische Gruppierungen an ihrer freien Berufsausübung gehindert werden, die akute Gefährdung der Kunst und ihrer Autonomie im Einfluss sogenannter linker Diskurse verortet, dürfte manche Festivalbesucher*in erstaunt haben. Umso neugieriger durfte man auf die Auswahl des fünftägigen Festivals sein, das die renommiertesten russischen Theaterpreise verleiht und Anfang April pandemiebedingt erstmals online stattfinden musste.
Den Preis für die beste Inszenierung in der ...
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Theater heute Juli 2021
Rubrik: Festivals, Seite 42
von Anja Quickert
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