Nur die Grillzange fehlt

nach Gotthelf «Die schwarze Spinne» am Thalia Theater Bern

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«Die Schwarze Spinne», Jeremias Gotthelfs Gruselklassiker vom Pakt mit dem Teufel, den die schlauen Emmentaler austricksen wollen, worauf er die Seuche übers Land schickt – was lässt sich nicht alles darin finden! Nur schon in den jüngsten Schweizer Inszenierungen: Barbara David-Brüesch machte die Parabel in Luzern zum Xenophobie-Grusical. Tilmann Köhler in Basel zog die pure Spielfantasie daraus, mit einer «Berner Züpfe» (Hefezopf) als Universalrequisit.

Frank Castorf in Zürich schloss sie mit Artauds «Theater und die Pest» kurz und dem Teufelskapitel aus «Meister und Margarita». Was interessiert Armin Petras nun in Bern, quasi am Ort des Geschehens? 

Wie Gotthelf beginnt er mit der behaglichen Kindstaufe, dieser gargantuesken Tafel, von der kein Gast ungenährt aufstehen darf, der Nötigung zu Kaffee und Züpfe und den schönen Tellern mit den sinnreichen Sprüchen. Aus dieser mit feinem Humor und zahlreichen Helvetismen beschriebenen Idylle entwickelt Gotthelf die gfürchige Binnenerzählung vom Teufelspakt, den die Sumiswalder von einer Fremden angestif -tet eingehen, der «Lindauerin»; von der schwarzen Spinne, die dieser Christine auf der Wange wächst, wo der Teufel sie geküsst hat, ...

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Theater heute 12 2022
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Andreas Klaeui

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