Nüchterner Naturalismus
Totreife ist ein Begriff aus der Landwirtschaft. Er bezeichnet Getreide, das so erntereif ist, dass die Körner sich von selbst lösen und die Halme absterben. Dass sich so auch die Familiengeschichten aus ihren verschlossenen Kapseln lösen mögen, hofft wohl Matilda. Sie ist siebzehn, auf dem Land aufgewachsen mit Vater Celio und – zumindest in seinen Erzählungen immer präsent – dessen Freund Michael. Auf Michaels Hof wuchs Celio auf, in einer großen Wahlfamilie, zu der in der Saison auch Fahrende gehörten.
Es ist kein Gotthelf- und Albert-Anker-Bild von der ländlichen Schweiz, das Fabienne Lehmann entwirft. Sie war in der vergangenen Saison Hausautorin in Luzern, im Rahmen des Förderprogramms Stück Labor, an dem das Luzerner Theater neu teilnimmt. Kein Schweizerland der schön glasierten Keramiktöpfe und der üppigen Berner Platten. Sondern eins, in dem die Bäuerinnen sich den Rat weitergeben, ja nicht melken zu lernen – denn so muss der Mann spätestens um 17 Uhr aus dem Wirtshaus heimkehren und in den Stall.
Gleichwohl ist es eine vergangene Welt, aus der Fabienne Lehmann berichtet, eine Welt aus Kindertagen und elterlichen Erzählungen. Heute, auch das beschönigt Lehmann nicht, ...
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Theater heute Juni 2025
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Andreas Klaeui
Zu Beginn stellen sie sich alle lose in drei Fünferreihen auf. Dann starten sie ihre Exploration mit 15 unterschied -lichen Bewegungsabläufen. Einer springt, einer kriecht, einer formt seinen Körper zu einem Tisch, mit dem Oberkörper als waagrechter Fläche, andere durchmessen mit großen Sprüngen den Raum in der Diagonalen. Wieder andere flechten Reste klassischer...
BERLIN, HAU HEBBEL AM UFER
25. bis 28.6., machina eX. Jubiläumsausstellung: On and On and On and On
Anlässlich des 15-jährigen Jubiläums des Game-Theater-Kollektivs machina eX können Requisiten, interaktive Objekte und wieder flott gemachte Mini-Games aus anderthalb Jahrzehnten Game-Theater erkundet werden. Dazu kommen Strukturbäume, verworfene Plot-Dokumente und...
Alles ganz schön eng hier. Die Stuhlreihen für die Zuschauer, der Denkhorizont im Dorf, das Hundegeschirr, die Fluchtwegschluchten. Umhegt wird die Enge von Maschendrahtzaun, mindestens mannshoch, die Gittertüren scheppern im Geviert. Ein Land wie ein Zwinger, raus oder rein geht’s niemals unkontrolliert.
Andererseits: Alles ganz schön clean hier. Die beiden...
