Nordic Talking an der Seine
Der eine ist ein Luftikus und ein Lügner, und wenn ihm danach ist, macht er sich aus dem Staub. Auf den kann man nicht bauen. Der andere ist ein Wahrheitsfanatiker und ein Pflichtmensch. Wo andere kneifen, harrt er aus, und was er sagt, das tut er. Auf den ist Verlass. Der eine sucht sein Glück in der Freiheit, der andere sein Heil im Zwang.
Können Gegensätze größer sein? Und doch gehören die beiden zusammen wie Tag und Nacht oder Winter und Sommer.
Sie sind Reisige am selben Stamm, und es verbindet sie sogar noch viel mehr als nur der Umstand, dass Henrik Ibsen sie im Abstand von zwei Jahren zu Protagonisten jeweils eines Stücks gemacht hat. Diese Stücke, «Brand» und «Peer Gynt», hat Ibsen in Italien geschrieben in den ersten Jahren des Exils, das er gewählt hatte, weil er Norwegen und die Norweger nicht mehr ertrug. Beide sind ausufernde Langgedichte in gebundener Sprache, einerseits durchtränkt mit den Märchen und Mythen und der Szenerie Norwegens und andererseits durchtränkt von Ibsens Hass auf das halbherzige, bequemlichkeitssüchtige Muckertum, das er seinen Landsleuten nie verzieh.
Im Zentrum steht beide Male ein Egomane von nicht alltäglicher Statur, ein von ...
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Der Gerd sitzt am linken hinteren Rand der kleinen Bühne. Er kennt das soziale System «Luhmann-Seminar»: «Vorne hocken die Jünger mit Koks im Blick. Hinten quälen sich die Pflichtscheine. In der Mitte ganz allein der Gerd. Kampfstellung. Eine ungeheure Wut im Bauch. Grimmig wacht die Linke. In Bielefeld. Ausgerechnet Bielefeld.»
Zwischen dem Gerd (Stefan...
Er ist wieder da» – das war nicht nur ein Schlager von «Marion», sondern auch der Werbespruch für Walter Moers’ Comic-Satire «Adolf, die Nazisau». Unter dem Satz war eine Moers-Zeichnung des gealterten Hitler zu sehen, der in einer Sprechblase erklärte «Öch bin wieder da». Die lustige Groteske, in deren Verlauf Hitler Michael Jackson und Prince kennen lernt, Sex...
Gegen Schillers Hitze – die Kälte, gegen Schillers Höhe – die Fläche, gegen Schillers Pathos – die Beiläufigkeit, gegen Schillers Universalismus – das Private. Wogegen man aninszenieren muss, weiß man bei Schillers «Räubern» immer. Schon Schiller selbst gab in seiner Selbstrezension der Uraufführung von 1782 Ratschläge, wie man gegen sein Stück vorgehen solle: vor...
