Ausnahmezustände sind keine Schande
Es ist eine von den Geschichten, wie sie Slavoj Zizek gerne erzählt, die Geschichte einer Laborratte – und somit die Geschichte von uns. Man stelle ein begehrtes Objekt (also: Käse oder Sexualpartner) so, dass die Ratte zwar weiß, dass es da ist, es aber nicht erreichen kann. Die Ratte rennt ein paar Mal gegen die Wand, gibt dann auf und wendet sich anderen, weniger attraktiven, dafür greifbaren Kompromissen zu.
Wenn man das Gehirn der Ratte nun auf eine bestimmte Art und Weise manipuliert, dann rennt sie gegen die Wand, wieder und wieder, und lässt nicht mehr davon ab: Sie ist menschlich geworden und kann den Verlust des «wahren» Objekts der Begierde nicht verschmerzen.
Es ist eine von den vielen möglichen Geschichten, die man so oder so ähnlich immer wieder zu hören bekommt beim dritten «Lovepangs»-Kongress von Carmen Brucic, der – nach Berlin und Frankfurt (ein weiterer in Zürich geplanter wurde nicht realisiert) – nun erstmals ins nichtdeutschsprachige Ausland gewandert ist, ins belgische Gent, ins Kunstencentrum Vooruit, einem der charmantesten Theater Europas.
Liebe, Schmerz, Sehnsucht, Leben, Tod – es geht bei «Lovepangs» ums Eingemachte, aber so herzlich und spielerisch ...
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Der Gerd sitzt am linken hinteren Rand der kleinen Bühne. Er kennt das soziale System «Luhmann-Seminar»: «Vorne hocken die Jünger mit Koks im Blick. Hinten quälen sich die Pflichtscheine. In der Mitte ganz allein der Gerd. Kampfstellung. Eine ungeheure Wut im Bauch. Grimmig wacht die Linke. In Bielefeld. Ausgerechnet Bielefeld.»
Zwischen dem Gerd (Stefan...
Otto will Sex, und Hilde will keinen. Und wenn so eine ganz alltägliche Verweigerung auch noch von einer ganzen Spiegelwand im Mansardenschlafzimmer reflektiert wird, sollte das für einen testosterongeplagten Möchtegerncowboy wie Otto umso peinlicher sein. Ist es aber natürlich nicht. Otto (Thomas Huber) kann sich zum Beispiel seelenruhig im Badezimmer über...
Frech, böse, aufsässig glotzen die niedlichen Geschöpfe aus den Bildern des 1959 in Japan geborenen A. R. Penck-Schülers Yoshitomo Nara in die Welt. Da stimmt was nicht, bedeuten sie und trotzen tapfer dagegen an: Blessuren, Schrammen indizieren Streit und Prügelein. Plakativ und doppelbödig gerieren sich Naras an populäre Comicstrips angelehnte Bildfindungen:...
