No Sex, no Solo

Ein Jahr nach #MeToo: Ehemalige Troubleyn-Mitglieder werfen Jan Fabre in einem offenen Brief sexuelle Übergriffe und Machtspiele vor, in Deutschland installiert der Bühnenverein die Schlichtungsinstanz Themis

Theater heute - Logo

Vor drei Jahren reiste ich aus der Antwerpener Troubleyn-Factory mit Übergepäck wieder ab. Der Avantgardekünstler und Choreograf Jan Fabre und seine Assistent*innen hatten mich in den anderthalb Tagen Probenbesuch für die Marathon-Inszenierung «Mount Olympus» mit einem ganzen Stapel von Aus­stellungskatalogen und Werkdokumentationen überhäuft; einen von ihnen hatte der Meister mit der knappen Standard-Widmung «Always defend beauty!» signiert.

Was auch immer Schönheit in Fabres Verständnis sein mag – die Errichtung und Zerstörung von Ordnungs- und Regelsystemen im Rahmen seiner Kunst oder einfach attraktive junge Tänzer*innen. 

Nun haben zwanzig seiner ehemaligen «War­riors of Beauty» (Fabre über seine Performer*­innen) in einem von der niederländischen Kulturzeitschrift «rekto-verso» publizierten offenen Brief erklärt, dass die Arbeit an Fabres Verständnis von Schönheit auch eine ziemlich hässliche Seite gehabt haben soll. Zwölf anonym und acht namentlich zeichnende Autor*innen schildern eindrücklich ein Arbeitsklima, in dem sexuelle Nötigung und Machtspiele auf der Tagesordnung gestanden hätten. So habe Fabre einzelnen Tänzerinnen «privat» bezahlte Fotosessions vorgeschlagen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2018
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Queer zu allen Konventionen

So richtig schön schauerlich blutrot leuchtet der Papstpalast. La Cour d'honneur, der Empfangshof in der Papstburg, ist immer noch das Herz des Festivals von Avignon, seit vor siebzig Jahren Jeanne Moreau, Gérard Philipe und Jean Vilar hier den «Prinzen von Homburg» aus dem Pariser Stadttheaterstaub an die frische Luft holten. Jeanne Moreau ist übrigens gleich...

Bremen: Das Blut, das Salz, das Leben

«Die Sonne Satans schien vom Meer her, das man nicht sah, aber roch.» Das ist so ein Fritz-Kater-Satz von poetischer Wucht, ein Satz in den schon all das Grauen eingeschrieben ist, das das Mädchen (Mirjam Rast) erleiden wird, im Wäldchen, wo der Vergewaltiger (Manolo Bertling) wartet. «Die Sonne Satans», das ist der Hamster, den der Angreifer dem Mädchen schenkt,...

Daten (11/2018)

Aachen, Grenzlandtheater
3. Shaffer, Revanche
R. Anja Junski

Aachen, Theater
9. Kafka, Die Verwandlung
R. Paul-Georg Dittrich
16. Hauff, Das kalte Herz
R. Sebastian Martin
30. nach Andersen, Das hässliche Entlein
R. Zirkusmaria

Aalen, Theater der Stadt
25. Reffert, Die Schönheit und das Biest
R. Winfried Tobias 

Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
11. nach Bassewitz,...