Nimm das, Nachhaltigkeit!
Ganz schön abgezockt: Da gewinnt ein Jungautor gleich mit seinem Debüt den Werkauftrag des Theatertreffen-Stückemarktes – und dann lässt er in eben diesem Auftragsstück einen Jungautoren, dessen Biografie an seine eigene erinnert, ausgiebig über das kreativitätsfeindliche Stückauftragswesen jammern.
Zunächst scheint es um die Unsinnigkeiten eines Theatermarktes zu gehen, der von jungen Autoren «große Themen» und «Nachhaltigkeit» verlangt – «Intimität ist Gift!» – und dann doch nur Jahrestage abfeiern möchte, zum Beispiel 20 Jahre Wende.
Dann schleicht sich eben dieses nachhaltige Thema durch die Hintertür herein. Denn «Kein Schiff wird kommen» handelt davon, dass der namenlos bleibende Autor auf seine Heimatinsel Föhr reist, um mangels eigener Mauerfall-Erinnerungen seinen Vater zu befragen. Dabei wird en passant die Kluft zwischen der kollektiven Großformat-Erinnerung und der Banalität des Alltags vorgeführt – die einzige authentische Föhr-Anekdote kommentiert der Sohn verächtlich: «Das ist doch pure Zeitverschwendung! Das hat alles überhaupt keine Brisanz!»
Da blitzt kurz mal Stockmanns Credo auf, dass im Kapitalismus alle Lebensbereiche von merkantilem Denken (in diesem Fall ...
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Für einen war die bisherige Spielzeit schon mal ergiebig: Bertolt Brecht. Sein Lehrstück in Sachen Spekulation und Menschenliebe, die «Heilige Johanna der Schlachthöfe», avancierte zum Krisengewinnler der schon nicht mehr ganz frischen Saison – und steht diesen Monat wieder in der Regie von Frank Abt auf dem Spielplan des Jungen Theaters in Göttingen. Das Hamburger...
Es ist natürlich eine sehr griffige Formulierung, zu behaupten, dass die Demokratie durch Demokratisierung zerstört wird oder, um es etwas genauer zu formulieren: Mehr Demokratie im quantitativen Sinne bedeute noch keine verbesserte Demokratie. Aber gehen wir erst einmal den Gedanken mit, dass unsere Demokratie durch mehr Demokratisierung bedroht ist.
Unsere...
Vielleicht erklärt die alte Cécile aus «Quai West» an diesem langen, dunklen Abend am besten, was Andrea Breth mit ihrer Inszenierung ausdrücken wollte. Sie fühle sich, sagt die Nachfahrin von Inka-Indianern, «wie eine Fliege, die im Schrank eingesperrt ist und am Ende des Tages stirbt, ohne dass der Schrank auch nur einen Spaltbreit aufgegangen wäre».
Aus Mexiko...
