Ein Schiff wird kommen
Normalerweise werden größere dramatische Figurenansammlungen entweder über diverse Handlungsstränge zusammengehalten oder in Durchgangsräumen organisiert. Gerne müssen Hotelhallen oder Bahnhöfe dafür dienen. Ulrike Syha hat sich jetzt etwas wirklich Neues ausgedacht: einen von Piraten entführten Öltanker, die Panama Star, irgendwo da draußen auf dem blauen Ozean. Und die vier Haupt- und 20 Nebenfiguren sitzen nicht etwa zusammengepfercht in der Kombüse mit einem durchgeladenen Somalier vor der Nase, sondern einigermaßen gemütlich über den Globus verstreut.
Gemeinsam haben sie nur ein gewisses Interesse an dem Schiff, jeder sein eigenes: Was internationale Finanz-, Versicherungs-, PR- oder Sonstwie-Berater eben so an Interessen haben. Gehobenes Globalisierungspersonal also, das mit den Dingen und Menschen hauptsächlich über interkontinentale Kommunikationswege verbunden ist, dabei in irgendwelchen Büros und Flughafenlounges oder auf Amrum herumsitzt und mit der eigenen Frau/Geliebten auch in der Badewanne redet wie eine Businessmail.
Egal, ob gerade eine Scheidung abgewickelt wird oder ein One-Night-Lover abhaut, ob plötzlich ein unbekannter Sohn vor der Tür steht oder die Panama ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Auf den Londoner Bühnen stellten vor kurzem drei Größen des britischen Gegenwartstheaters ihre neuesten Werke vor: Simon Stephens, nun als «associate» fest im künstlerischen Team des frisch angetretenen Lyric-Hammersmith-Intendanten Sean Holmes, eröffnete dessen erste Spielzeit mit der Uraufführung von «Punk Rock». Dennis Kellys neues Stück «Waisen» und David...
Vor ziemlich genau zehn Jahren eröffnete Thomas Ostermeier seine Intendanz der Berliner Schaubühne mit einem Stück von Lars Norén: «Personenkreis 3.1» spielte auf einem Drogenumschlagplatz und zeichnete die Ausgeschlossenen der Gesellschaft, das Prekariat (ein seinerzeit noch unbekanntes Wort), mit plakativem «Seht her»-Gestus ans Bürgertum des oberen...
Eva Behrendt: Frau Leysen, wenn man sich das «Theater der Welt»-Programm anschaut, das Sie kuratiert haben, fällt auf, dass die üblichen Genrebezeichnungen gar keine Rolle mehr spielen. Sie haben sogar neue erfunden, etwa ein «Mülheimer Gesellschaftsspiel» oder «Dokufiktionspanel» oder «Endzeitszenario-Konzert» usw. Was für eine Idee steckt dahinter – wollten Sie...
