Barbara Weber «Bonnie und Clyde», Chris Kondek/Christiane Kühl «
Mythen sind etwas Schönes, man kann sie immer wieder plündern, und es bleibt doch noch was übrig. Nach diesem Prinzip hat die Regisseurin Barbara Weber mit einer Serie freier Low-budget-Produktionen unter dem Label «Unplugged» gleich zu Beginn ihrer Karriere weithin sichtbare Signale gesetzt, indem sie Hollywood-Mythen, Popstars und Polit-Ikonen im Hinblick auf die Mechanismen ihrer medialen Existenz analysierte. Nun scheint aus «unplugged» allerdings so etwas wie «embedded» geworden zu sein, und man muss leider mal wieder feststellen, dass das kein Fortschritt ist.
Zumindest auf der großen Bühne im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele wirkt ihre jüngste Bearbeitung der «Bonnie und Clyde»-Story wie ein vergeblicher vampirischer Versuch, der Geschichte vom wild um sich schießenden Gangsterpärchen noch einen letzten Tropfen lebendigen Bluts auszupressen.
Auf den ersten Blick ist klar, diese beiden können allenfalls als das Double des Doubles des Doubles gemeint sein. Im weißen Unschuldshemdchen und mit schwarzen Glitzerstiefeletten räkelt sich Sylvana Krappatsch als Bonnie Parker lasziv auf der Veranda ihrer unerfüllten Kleinmädchenträume, und Oliver Mallison scheint als Clyde ...
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Vor ziemlich genau zehn Jahren eröffnete Thomas Ostermeier seine Intendanz der Berliner Schaubühne mit einem Stück von Lars Norén: «Personenkreis 3.1» spielte auf einem Drogenumschlagplatz und zeichnete die Ausgeschlossenen der Gesellschaft, das Prekariat (ein seinerzeit noch unbekanntes Wort), mit plakativem «Seht her»-Gestus ans Bürgertum des oberen...
Vielleicht erklärt die alte Cécile aus «Quai West» an diesem langen, dunklen Abend am besten, was Andrea Breth mit ihrer Inszenierung ausdrücken wollte. Sie fühle sich, sagt die Nachfahrin von Inka-Indianern, «wie eine Fliege, die im Schrank eingesperrt ist und am Ende des Tages stirbt, ohne dass der Schrank auch nur einen Spaltbreit aufgegangen wäre».
Aus Mexiko...
Ein Leben als Heldin ist nicht so einfach für jemand, der aus Neuss stammt. Das Mittelmaß der Mittelstadt von der anderen Rheinseite führt am Düsseldorfer Schauspielhaus in Martin Heckmanns’ Stück «Hier kommen wir nicht lebendig raus. Versuch einer Heldin» zu einem Lebensentwurf, in dem «Schmerz besser ist, als nie
gelebt zu haben». Hermann Schmidt-Rahmer...
