Festival
Das Erste, was wir von diesem Festival sehen, ist ein Penis. Der gehört zu einem Darsteller hinter einer Papp-Wand, von dem nur der Schwanz in einer runden Aussparung zu erkennen ist. Ein Spot beleuchtet das Geschlecht, das sich zwischendurch aufrichtet und dann wieder erschlafft. An der Bühnenrampe steht zeitgleich ein junger Mann vor einem Mikrofon, mit dem Rücken zum Publikum. Sein Gesicht sehen wir nicht, wenn er die Geschichte eines jungen Spaniers erzählt, der in Madrid ein bürgerliches Leben mit seiner Freundin führt.
Der eigentlich alles hat, oft genug guten Sex, einen Job und Perspektive – und doch davon träumt, sich einmal von mehreren Personen «so richtig durchficken zu lassen».
Der Ausbruchstraum ist nur eine der Geschichten, mit denen Pablo Gisberts «Szenen für ein Gespräch nach dem Anschauen eines Films von Michael Haneke» die Verunsicherung der jungen Generation in Europa beschreiben will. Ausbruchsfantasien hinter der Fassade eines gut durchgeplanten Lebens sind das. Der junge Mann reist in der Erzählung hinter dem Rücken seiner Freundin heimlich nach Berlin. Und nimmt in den «intensivsten Stunden seines Lebens» an einer Orgie teil. Der echte Penis wippt im ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Alexander Kohlmann
Aufführungen
Auf die Sitzwürste im neuen rauen Asphaltambiente der Berliner Volksbühne lädt Frank Castorf im Januar zu Hebbels mörderischer «Judith». Vordergründig zivilisierter geht es
vermutlich am Deutschen Theater zu, wenn Karin Henkel mit Eugène Labiches «Die Affäre Rue de Lourcine» hinter die Fassade des Bürgertums blickt. Am Gorki Theater hat sich
Hakan...
fassung
mange ton dasein!
lacan
tatsächlich gibt es nichts, was auf so unerträgliche art und weise unbrauchbar und überflüssig wäre wie das organ, das herz genannt wird, dieses schmutzigste aller mittel, das die wesen erfinden konnten, um leben in mich zu pumpen.
artaud
per medulam cordis mei,
peccatoris atque rei,
tuus amor transferatur,
quo cor tuum rapiatur
...
Die Feier des 80. Geburtstags des früheren Kammerspielintendanten Dieter Dorn rief die Erinnerung an einen heftigen Konflikt zwischen Theaterintendant und Kulturpolitik wach, in dem ich nolens volens eine Rolle spielte. Erneut wurde eine Legende erzählt, die auch durch ständige Wiederholung nicht wahrer wird. Da die damaligen Vorgänge durchaus exemplarisch sind,...
