Neue Stücke · Aufführungen (10 2017)
Neue Stücke
Zum 100. Geburtstag der Oktoberrevolution gratulieren Milo Rau, Autor eines nach Lenins Hauptwerk «Was tun?» benannten Essays, und das Ensemble der Schaubühne (plus Nina Kunzendorf nach langer Theaterpause!) mit «Lenin» der «wohl folgenreichsten Revolution der Menschheitsgeschichte» (wenn das die Franzosen lesen). Hagiografie oder Dekonstruktion? Bei Elfriede Jelinek gibt es noch oder wieder Monarchen.
Ihrem Donald-Trump-Text «Am Königsweg» organisiert diesmal Falk Richter am Schauspielhaus Hamburg das Spalier. Mit etwas interpretatorischer Verve lässt sich Noah Haidles «Für immer schön» als Frauenstudie im Zeitalter des Fake-News-Lifestyle lesen, Burkhard Kosminski besorgt die Uraufführung in Mannheim. Indessen treiben es Kathrin Rögglas «Normalverdiener» in Bamberg zwar nicht ganz so bunt wie die Finanzmogule, aber macht das ihre Westen wirklich weißer (R: Leopold von Verschuer)? Auch Branden Jacobs-Jenkins interessiert sich für Angestellte, allerdings im Großraumbüro einer Kulturredaktion. Logisch, dass die Figuren aus «Gloria» reinste Raubtiere sind (Amélie Niermeyer dressiert am Münchner Residenztheater). Auch die Reformation feiert weiter Geburtstag: In Kiel und ...
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Theater heute Oktober 2017
Rubrik: Daten, Seite 62
von Red.
Der Abend beginnt als Spektakel, als barock anmutendes Theater, das Zirkus, Jahrmarkt, Variété, Maschinentheater und Popkonzert beerbt – und mit alledem natürlich auch die Performance Art; und dies, obwohl es sich zunächst einmal um eine Inszenierung handelt, die auf einem Text basiert. «The Blind Poet», 2015 im Rahmen des Brüsseler Kunstenfestival des arts...
Muss man im Jahr 2017 eigentlich noch eine Diskussion über Nacktheit im Theater führen? Ja, muss man wohl tatsächlich, angesichts der Nackten, die das Hamburger Kampnagel-Gelände bevölkern und einen zwischen den einzelnen Stücken zwingen, sich zu ihrer Blöße zu verhalten. Lebende Statuen, eine an eine Säule gelehnt, eine auf dem Boden drapiert, zwei reiten...
Das Streben nach Glück an sich ist naturgemäß nichts Verwerfliches, kann aber leicht zu Verwerfungen führen, wenn dabei die Interessen kollidieren. Molières berüchtigter Heuchler «Tartuffe» ist so gesehen nicht nur der abgefeimte Schurke, der sich im frömmlerischen Schafspelz in die Familie seines Gönners Orgon einschmeichelt, um dessen Weib und Wohlstand zu...
