Michael Pietsch als Umweltschützer, Foto: Meyer-Originals/Theater Mainz
Mainz: Unsterblich billig
«Jeder hier benutzt dich. Aber keiner mag dich!» Autsch, das hat gesessen. Der Mann im Latexanzug guckt traurig aus der Wäsche, die junge Frau in Jeans reckt triumphierend ihr Kinn. Es ist der Höhepunkt eines schier endlosen Beziehungsdramas: Lilith (Lilith Häßle) hat die Krise. Sie weiß nicht mehr, was sie von ihrem Nächsten halten soll, der sie wärmt, schützt und kleidet, sie mit Musik versorgt und von A nach B bringt. Aber auch er ist ziemlich ratlos: Klar ist er billig.
Aber dafür unsterblich!
Denn er (Sébastien Jacobi) ist kein Geringerer als Plastik, diese clevere, 46 Jahre alte Polymer-Verbindung, die einst Teil der großen Zukunft der Menschheit sein sollte, nun aber vor allem den Planeten vermüllt, Ozeane verdreckt und Meerestiere tötet. Der Regisseur Jan-Christoph Gockel widmet sich in seinem neuen Stück «Der siebte Kontinent», einer Koproduktion zwischen Theater im Bauturm, Köln, und Staatstheater Mainz, dem Müllproblem. Gockel ist in Mainz Hausregisseur, aber auch national viel beschäftigt, und er ist ein vielseitiger Regisseur: Neben Inszenierungen von Klassikern wie Schillers «Räuber» und Shakespeares «Macbeth» entwickelt er eigene Projekte, meist gemeinsam mit ...
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Theater heute Oktober 2017
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Esther Boldt
Der Shitstorm auf den ersten Social-Media-Auftritt der Dercon-Volksbühne ebbte gerade ab, als der nächste Aufreger in die Theaterferienruhe platzte: In der Rubrik «Sexismus an Hochschulen» auf dem Blog der Zeitschrift «Merkur» erschien ein Beitrag der Schweizer Dramatikerin Darja Stocker, in dem sie ein von weißen, männlichen, teilweise übergriffigen Dozenten...
Kein leichter Job, im Schatten des weltweit angesagtesten Art-Events ein Theaterfestival auszurichten! Denn obwohl die bildende Kunst zurzeit ja weiträumig ins Performative ausgreift, hat die Mehrheit der Hipster und Trendstreber, die alle zwei Jahre die Easyjet-Route zwischen Berlin und Venedig frequentieren, Stichproben-Erhebungen zufolge von der «Biennale...
Am 27. und 28. Juni 2015 schrieb Jan Fabre Theatergeschichte. Damals brachte der belgische Allroundkünstler beim Berliner Festival Foreign Affairs die 24-stündige Performance «Mount Olympus» zur Uraufführung (TH 6 und 8-9/15), in der er fast alle griechischen Tragödien auf einmal inszenierte, um so die in die Jahre gekommene Katharsis neu zu beleben. Die...
