«Nein heißt Nein»

Als Fritz Kortner Hannelore Hoger in seine Hotelsuite bat – ein Gespräch

Theater heute - Logo

Michael Merschmeier Wenn man die Strukturen mancher Ensembles und Theater-«Familien» durchleuchten würde, kämen viele recht einfache Abhängigkeitsverhältnisse zum Vorschein.

Hannelore Hoger Würde ich auch glauben. Ist eigentlich normal, dass im Berufsalltag auch Liebesverhältnisse entstehen. Die Besetzungscouch von Hollywood war allseits bekannt. Wenn man mit aufs Hotelzimmer geht, will der doch in der Regel nicht das Stück lesen. Das weiß man doch, oder? Aber wenn jemand dann Nein sagt, sollte das Nein auch akzeptiert werden.

Es gibt doch klare Regeln. Jede Vergewaltigung ist ein Verbrechen. Punkt. Und dass man eben ab und zu auch mal Nein sagen muss ... Peter Zadek wollte zum Beispiel, dass ich dem Film «Piggies» mit nacktem Oberkörper vorm Spiegel agieren sollte. «Mach ich nicht, Peter!», hab ich nur gesagt. Und er dann «Oh, das ist aber schade, Liebling!» – «Dann musst du eine andere nehmen.» Ich hab’s nicht gemacht, und er hat keine andere genommen.

MM Wenn man erfolgreich und selbstbewusst ist, dann kann man das leichter sagen.

Hoger Ich war eine junge Frau. Ich hab mich Einiges getraut, worüber ich heute selbst staune. 

MM
In Ihren Erinnerungen, die im Mai 2017, also ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2018
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Michael Merschmeier

Weitere Beiträge
Festival: Das große Auseinanderdriften

Rebekka Kricheldorfs «Fräulein Agnes» kritisiert sich mit Verve aus allen sozialen Zusammenhängen. Ibrahim Amirs «Homohalal» räumt mit allen Bessere-Menschen-Klischees im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise auf. Thomas Melles «Versetzung» zeigt, wie erstklassigem pädagogischen Personal die Wirklichkeit unter den Füßen verrutscht. In Maria Milisavljevics «Beben»...

Ferdinand Schmalz: jedermann (stirbt)

wir begreifen die ruinen nicht eher,
als bis wir selbst ruinen sind.

heinrich heine

gelobt seist du niemand
paul celan





das stück spielt in keinem garten nahe wien, der von keinem zaun umgeben,
in dem keine exotischen gewächse sich ranken.
zwischen keinen blüten, die keine verführerischen düfte verbreiten
und keinen früchten, die nur der zierde dienen.
in keinem...

Zürich: Club der Charakterschweine

Im Hotel «Zur schönen Aussicht» haben sich Personal und Bausubstanz mit dem Bankrott des guten Namens abgefunden. Die Marmorverkleidung am Empfangsportal geht nahtlos in stockfleckige Wände über, in der Lobby lungern Möbel von unpfändbarer Qualität, im Gewölbe verdüstert sich die Historie eines Monumentalgemäldes zur Unkenntlichkeit. Das Restaurant: notorisch...